Ertappt! Falschen Superfoods auf der Spur

Superfoods sind super gefragt. Da lohnt es sich umso mehr, zu tricksen … Zellbiologen nehmen solche Plagiate nun ins Visier.

Moderne zellbiologische Methoden können gefälschte Superfoods entlarven.

Chia-Samen, Moringa-Pulver, Açai- und Goji-Beeren, Indisches Basilikum, auch Tulsi genannt … Die Liste derartiger Lebensmittel mit angeblichen gesundheitlichen Vorteilen wird ständig länger. Gesundheitsbewusste Konsumenten sorgen schließlich für eine immense Nachfrage: Was stressmindernde, entschlackende oder das Immunsystem stärkende Eigenschaften haben soll, verkauft sich bestens. Das Problem: Je exotischer das Lebensmittel, desto undurchsichtiger für den Verbraucher, ob er überhaupt das richtige Produkt vor sich hat. So häufen sich die Verwechslungen. Noch prekärer: auch Fälschungen durch Hersteller nehmen zu. Kein Wunder, Lebensmittelfälschung ist gerade bei Superfoods äußerst lukrativ. Denn diese Produkte sind alle eines – teuer.

Blühender Plagiate-Handel

„Durch die Globalisierung gibt es für spezielle Heilpflanzen, die von Natur aus nur in einer einzigen Region vorkommen, heute einen weltweiten Markt“, so Prof. Dr. Peter Nick vom Botanischen Institut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Infolge der schnell wechselnden Superfood-Trends steigt oft ganz plötzlich die Nachfrage. Die kann dann mit den vorhandenen Kapazitäten oft nicht befriedigt werden. Die Folge: ein blühender Plagiate-Handel. Die gefälschten Superfoods sind selbst für Experten nur schwer zu ermitteln. Denn laut Prof. Nick handelt es sich dabei oft um exotische Pflanzen: „Von denen weiß keiner, wie sie aussehen“. Zudem verfügen nur wenige Arten über die gewünschten Eigenschaften. Wie beim Indischen Basilikum: „Der richtige Tulsi kann bei hilfreich sein, andere Arten können allergische Reaktionen auslösen“.

Genetische Barcodes für Superfoods

Wegen solcher Risiken werden pflanzliche Produkte bei Einfuhrkontrollen untersucht – meist mikroskopisch mithilfe botanischer Beschreibungen. Bei einem Pulver, wie häufig bei Chia-Samen, hilft das aber nicht weiter. Alternativen wie das Auslesen von Gensequenzen, wie bei Vaterschaftstests, sind zeitaufwendig und teuer. Prof. Nick und sein Team haben deshalb jetzt ein Verfahren entwickelt, das kleine Unterschiede der Gensequenz nutzt. Damit lässt sich an ganz bestimmten Stellen der DNS gezielt mit Genscheren schneiden. Diese Scheren passen wie ein Schlüssel ins Schloss nur auf den genetischen Fingerabdruck der gesuchten Art. Schnappt die Genschere zu, weiß Prof. Nick, dass er die richtige Pflanze vor sich hat. „Das ist wie ein Barcode, den sie mit dem entsprechenden Scanner auslesen können“. 7.000 solcher Barcodes hat Prof. Nick in seiner Datenbank bereits gesammelt.

Foto: © LIGHTFIELD STUDIOS / Fotolia.com
Tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Comments are closed.