Appetitlosigkeit verschlimmert Herzschwäche

Appetitlosigkeit ist bei Menschen mit Herzschwäche häufig. Ein Problem, denn das verschlechtert den Krankheitsverlauf und erhöht das Sterberisiko der Betroffenen.

Appetitlosigkeit ist ein Risiko bei Herzschwäche.

Die deutliche Mehrheit der Patienten mit Herzschwäche, nämlich über 80 Prozent, sind Senioren. Diese leiden meist noch an anderen gesundheitlichen Problemen. Typische solcher Begleiterkrankungen sind etwa Muskelschwund sowie ungewollter Gewichtsverlust durch den Abbau von Muskulatur. Diese Beschwerden beeinträchtigen die Lebensqualität, die Leistungsfähigkeit und vor allem die Überlebenschancen der betroffenen Patienten noch weiter. Ein weiteres Risiko birgt Appetitlosigkeit. Sie wird bei Herzschwächepatienten häufig beobachtet. Dennoch war bislang wenig darüber bekannt, wie sich die verminderte Esslust auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

Appetitlosigkeit hat schwere Folgen

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Göttingen haben nun herausgefunden*, dass Patienten mit Herzschwäche, denen der Appetit fehlt, auch stärker in ihrer körperlichen Funktionsfähigkeit beeinträchtigt sind. Zudem haben sie eine dramatisch schlechtere Prognose: Je geringer der Appetit, desto höher ist die Gefahr, zu versterben. Appetitlosigkeit ist auch bei anderen chronischen Erkrankungen ein Problem, etwa bei Krebs. Hier stellt sie ebenfalls eine große Herausforderung dar.

Mögliche Auslöser

Auf der Suche nach Ursachen, die Appetitlosigkeit bei Herzschwäche begünstigen, fanden die Göttinger Wissenschaftler drei unabhängige Faktoren. Einer davon ist die Einnahme von harntreibenden Medikamenten wie vor allem Schleifen-Diuretika – klassische Medikamente gegen Herzschwäche. Sie werden verordnet, um die Wassereinlagerungen im Gewebe abzubauen. Vermutlich führen sie über den Verlust von Spurenelementen wie Zink dazu, dass der Geschmackssinn und damit auch der Appetit nachlassen. Ein weiterer Auslöser ist die Aktivierung von Entzündungshormonen. Bei Herzschwäche liegen an sich schon erhöhte Entzündungswerte vor. Werden diese Werte noch überschritten, ist es wahrscheinlicher, dass der Appetit schwindet. Der dritte Risikofaktor ist der ungewollte Gewichtsverlust, medizinisch Kachexie genannt.

Fazit: Ärzte müssen die Ernährungsgewohnheiten und den Ernährungszustand ihrer Patienten mit Herzschwäche im Blick haben. Diese Faktoren sollten grundlegender Bestandteil bei der medizinischen Gesamtbeurteilung der Betroffenen sein.

* Von Haehling, S. et al. Anorexia, Functional Capacity, and Clinical Outcome in Patients with Chronic Heart Failure: Results from the Studies Investigating Co-Morbidities Aggravating Heart Failure (SICA-HF). ESC heart failure, (2017). DOI: 10.1002/ehf2.12209
Foto: © DDRockstar / fotolia.com
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