Diabetes lässt Herzadern schwinden

Durch Diabetes lösen sich kleine Blutgefäße um das Herz auf. Das schädigt den Herzmuskel und erhöht die Gefahr für Herzinfarkte.

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Bereits länger ist bekannt, dass eine Diabetes-Erkrankung das Herzinfarktrisiko deutlich erhöht. Einem der Gründe dafür kamen kürzlich Forscher der Technischen Universität München (TUM) auf die Schliche. Sie fanden heraus, dass die Zuckerkrankheit die kleinen Blutgefäße um das Herz angreift*.

Gefährliche Straßensperrungen

Unsere Herzkranzgefäße ähneln einem Netz von Straßen. Die Hauptverkehrswege sind dabei die Arterien und Venen. Von ihnen gehen zahlreiche kleinere Verbindungsstraßen und Zufahrtswege ab. Ist eine dieser kleinen Straßen gesperrt, bereitet das dem Verkehr noch keine Probleme. Besteht jedoch bei mehreren der Seitenwege keine Möglichkeit mehr zur Durchfahrt, stört das den gesamten Verkehrsfluss. Denn dann ist immer mehr auf den Hauptstraßen, den Arterien und Venen, unterwegs. Es kommt zu Staus und im schlimmsten Fall zum Kollaps des gesamten Systems – einem Herzinfarkt. Genau das kann bei Diabetes passieren.

Diabetes frisst Schutzschicht auf

Das Team der TUM verglich Herzkranzgefäße von Transplantationspatienten mit und ohne Diabetes. Bei den Diabetikern war die Anzahl der kleinen Gefäße um das Herz deutlich verringert. Im Labor stellte sich dann heraus, dass ein hoher Spiegel an Blutzucker sogenannte Perizyten abbaut: Zellen, die eine Schicht um die kleinen Blutgefäße bilden und sie so stützen. Ist diese Schutzschicht angegriffen, wird das betreffende Gefäß instabil und löst sich schließlich auf. Was diesen Befund noch schlimmer macht: Diabetes bleibt oft über viele Jahre hinweg unentdeckt. So hat der hohe Blutzucker lange Zeit für sein schädliches Treiben an den Herzgefäßen.

Hoffnung dank Gentherapie

Mittels einer Gentherapie können die Herzzellen angeregt werden, verstärkt Thymosin-Beta-4 zu bilden. Dieses Eiweißmolekül sorgt unter anderem dafür, dass mehr Perizyten entstehen – und so mehr Halt für die Blutgefäße. Sie werden wieder stabiler und vor dem Auflösen verschont. Bevor diese Behandlung bei Diabetikern zum Einsatz kommen kann, wird es jedoch noch dauern. Immerhin ist aber schon ein weiteres Puzzlestück zur Erklärung gefunden, wie die Zuckerkrankheit das Herz schädigt.

* Hinkel R. Et al. Diabetes Mellitus–Induced Microvascular Destabilization in the Myocardium, Journal of the American College of Cardiology 69:2 (2007). DOI: 10.1016/j.jacc.2016.10.058.
Foto: © uzhursky / Fotolia
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