Die weltbeste Herzgesundheit

In Bolivien lebt ein Urvolk mit der besten Herzgesundheit der Welt. Ihr Lebensstil kann auch für uns ein Vorbild sein.

Arterienverkalkung Arteriosklerose Ernährung Fette Herz-Kreislauf-Erkrankungen Herzgesundheit Herzinfarkt Lebensstil Studie TransfetteWie lebt es sich am gesündesten? Auf diese so rege diskutierte Frage gibt es jetzt eine neue Antwort. Sie kommt von den Ufern des Amazonas, mitten aus dem bolivianischen Dschungel. Hier leben die Tsimane – indigene Ureinwohner, die Berühmtheit erlangen könnten. Denn sie sind die gesündesten Menschen was Herz, Kreislauf und Gefäße anbelangt. Zu diesem Fazit kommt eine Studie*, die Lebensweise und Gesundheit des bolivianischen Volkes untersuchte.

Arteriosklerose, Herzinfarkt? Hier nicht!

Im Rahmen der Untersuchung stand die Herzgesundheit der Tsimane über zwei Jahre hinweg auf dem Prüfstand: regelmäßig Puls, Blutdruck und -zucker sowie Cholesterin messen, Hormonspiegel und Auftreten von Herzkrankheiten checken, Computertomographien machen. Mit dem Ergebnis, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Risiken dafür so gut wie nicht existieren. Das indigene Urvolk hat die beste Gesundheit von Herz, Kreislauf und Gefäßen, die jemals bei Menschen gefunden wurde. So haben 85 Prozent der untersuchten Tsimane keine Arteriosklerose oder andere Herzrisiken. Selbst bei 65 Prozent der über 75-Jährigen fanden sich keinerlei Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Risiken. Auf einer Fachtagung stellten die Leiter der Studie den Fall eines 80-jährigen vor, dessen Herz und Gefäße jenen eines 50-jährigen US-Amerikaners entspricht.

Mehr Herzgesundheit geht auch bei uns

Hört sich alles sehr gut an. Nur: An den Ufern des Amazonas sind die Lebensumstände komplett anders als hier und in anderen Industrieländern. Wer von uns wohnt schon als Jäger und Gärtner mitten in unberührter Natur und ohne Umweltbelastung? Doch wir müssen nicht im bolivianischen Dschungel zuhause sein, um gesund zu sein und zu bleiben. Auch bei uns ist eine bessere Herzgesundheit machbar. Das gilt vor allem für die Ernährung, wo wir uns bei den Tsimane ein Beispiel nehmen können. Laut der Studie essen diese sehr fettarm: nur 14 Prozent der täglichen Kalorien stammt aus Fett, die gefährlichen Transfette – industrielle Fette – gibt es gar nicht. Eiweiß kommt ebenso wenig wie Fett auf den Tisch: 14 Prozent macht der Anteil aus; meist aus Fisch, kaum aus Fleisch. Wo die Tsimane dagegen kräftig zulangen, ist bei den Kohlenhydraten. Sie machen die restlichen 72 Prozent ihrer Nahrung aus, vor allem in Form von Reis, Mais, Maniok, Kochbananen und Früchten. Eine solche Ernährung – viel Kohlenhydrate und Rohkost, wenig Fleisch – können auch wir umsetzen.

Wertvolle Botschaft aus dem Dschungel

Einfach leben, so lässt sich der Lebens- und Ernährungsstil der Tsimane zusammenfassen, der auch für uns ideal wäre. Dazu viel bewegen und nicht rauchen – fertig ist das Rezept für mehr Herzgesundheit. Selbst wenn wir nur Teile davon übernehmen, könnten wir einige Gefahren für unser Herz verringern. So leben die meisten Tsimane lebenslang ohne die geringste Verkalkung ihrer Arterien. Etwas, was man bislang nicht für möglich hielt: Jeder, so die These, wird irgendwann davon betroffen sein. Nicht, wenn wir uns die Botschaft aus dem bolivianischen Dschungel zu Herzen nehmen.

* Kaplan H. et al. Coronary atherosclerosis in indigenous South American Tsimane: a cross-sectional cohort study.

Foto: © Dawn Hudson/ fotolia.com

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