Metabolisches Syndrom: das „tödliche Quartett“

Volkskrankheit metabolisches Syndrom – immer mehr leiden an dieser Erkrankung. Sie ist vor allem die Quittung für Sünden auf dem Teller …

Metabolisches Syndrom: sehr gefährlich.

Was ist, wenn sich die größten Gefahren für die Gesundheit unseres Herzens und unserer Blutgefäße zusammen tun? Metabolisches Syndrom. Treffend “tödliches Quartett” genannt, weil hier vier schwerwiegende Risikofaktoren gemeinsam auftreten: Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, zu hoher Blutzucker und Übergewicht. Bereits einzeln haben diese vier Gesundheitsstörungen ausreichend schädliche Auswirkungen. Im Zusammenspiel entwickeln sie eine enorme Sprengkraft: Gefahr in Viererpotenz. Denn die Risiken addieren sich nicht einfach nur, sondern potenzieren sich:

  • Nüchternblutzucker von über 110 mg/dl
  • Bluthochdruck mit Werten über 130/85 mmHg
  • gestörter Fettstoffwechsel mit HDL-Werten bei Männern unter 40 mg/dl, bei Frauen unter 50 mg/dl, Triglyzeriden bei über 150 mg/dl
  • starkes Übergewicht (Adipositas) mit einem Taillenumfang bei Frauen über 85 cm, bei Männern über 100 cm

Wurzel vieler Übel

Das metabolische Syndrom öffnet Erkrankungen von Herz und Gefäßen Tür und Tor. Die fatalen Vier ebnen der Arteriosklerose den Weg und erhöhen so das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheiten ganz erheblich: Die betroffenen Patienten haben dreimal häufiger koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle. Etwa die Hälfte von ihnen versterben an einem Herzinfarkt. Damit nicht genug – im Verbund mit dem metabolischen Syndrom kommt es auch vermehrt zu Gicht und Gallensteinleiden sowie zu degenerativen Beschwerden an Wirbelsäule, Knochen und Gelenken. Soweit nur ein kleiner Auszug aus der breiten Palette an Risiken, die mit dem “tödlichen Quartett” assoziiert sind.

Zu viel Bauchfett

Bei der Suche nach den Ursachen zeigte sich, dass alle im Quartett eng mit Übergewicht zusammen hängen. Als besonders bedeutend entpuppten sich die “Rettungsringe” in der Leibesmitte: Die Fettzellen im Bauchraum spielen eine wesentliche Rolle für die Entstehung. So ist inzwischen erwiesen, dass ein erhöhter Taillenumfang durch viel Fett im Bauchbereich das Risiko erhöht. Diese “Apfelform” wird medizinisch stammbetonte Fettleibigkeit genannt. Da die Anlagerung des Körperfettes und dessen Verteilung so maßgebend ist, wird stets der Taillenumfang berücksichtigt.

Insulinresistenz

Durch das Zuviel an Bauchfett verändern sich der Fett- und Zuckerstoffwechsel. Beide sind eng mit dem Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin verwoben. Dieser lebenswichtige Botenstoff hat die Aufgabe, Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu schleusen, damit diese daraus Energie gewinnen. Doch beim metabolischen Syndrom kann Insulin nicht mehr richtig wirken: Die Fettzellen bilden Hormone, die Insulin in seiner Effizienz einschränken – je mehr Fettdepots am Bauch, desto weniger kann der Stoff der Bauchspeicheldrüse ausrichten. Seine Signale verhallen ungehört, da die Zellen zunehmend weniger darauf reagieren. Ihre Empfangsorte, die Insulinrezeptoren, sind gewissermaßen immun geworden. Diese herabgesetzte Ansprechbarkeit auf Insulin, die sogenannte Insulinresistenz, steht im Mittelpunkt des metabolischen Syndroms. Denn weil das Insulin immer weniger Wirkung zeigt, kurbelt die Bauchspeicheldrüse verständlicherweise ihren Hormonausschuss an. Was nichts hilft, denn das Insulinsignal stößt weiterhin auf taube Ohren. Eine Kettenreaktion setzt ein, die das gefährliche Geschehen weiter fördert.

Es gibt viel zu tun …

… packen wir es an. Das ist gerade bei diesem schweren Gesundheitsrisiko das richtige Motto. Denn es ist keine schicksalhafte Fügung, sondern selbst inszeniert. Damit hat jeder Möglichkeiten, die vier Übeltäter wieder in den Griff zu bekommen. Vielfach genügen dazu bereits Veränderungen im Lebensstil. Das gilt allen voran für die Ernährung. Denn wer sein Übergewicht abbaut, schaltet die zentrale Komponente des “tödlichen Quartetts” aus. Die weitere wichtige Strategie lautet regelmäßige körperliche Aktivität: Mit Bewegung lässt sich immens viel gegen das metabolische Syndrom ausrichten. Ebenso wie mit gezielter Entspannung. Autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Yoga sind gute Weggefährten.

Foto: © Jürgen Fälchle / Fotolia
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