Mit Kneipp gegen Bluthochdruck

Arm- und Fußbad, kalte Güsse, Wassertreten: Im Repertoire von Pfarrer Kneipp findet sich einiges, um zu hohen Blutdruck zu senken.

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“Die natürlichen Reize des Wassers haben einen wohltuenden Einfluss auf die Lebenskraft” – dies gab der mit erste Ganzheitsmediziner Christoph Wilhelm Hufeland seinen Zeitgenossen anfang des 19. Jahrhunderts auf den Weg. Und in der Tat entfalten Wasserbehandlungen, ob heiß oder kalt, sehr positive Wirkungen auf die Gesundheit. Nicht umsonst schätzte man die heilkräftigen Effekte von Wasser bereits in der Antike. Mit Sebastian Kneipp wurden Wassertreten & Co. schließlich wissenschaftlich “salonfähig” – die Wirkungen sind inzwischen durch so manche Studie belegt. Dabei wurde auch bestätigt, was der Allgäuer Pfarrer bereits vor mehr als hundert Jahren wusste: Kneippen kann einen erhöhten Blutdruck wirksam senken. Denn die wechselnden Reize von kaltem und warmem Wasser wirken sich positiv auf die Regulation des Blutdruckes aus.

Wie H2O-Reize wirken

Kneipp konnte erstaunliche Heilerfolge verzeichnen – jedoch nie so recht begründen, worauf diese beruhen. Heute hat die Forschung die Wirkung seines Therapiekanons größtenteils entschlüsselt: Wasser fungiert als Medium, als Mittler von Wärme- und Kältereizen. Dafür, dass man “kalt” und “warm” fühlt, sorgen die Thermorezeptoren: Kleine Fühler in der Haut, die winzigen Thermometern gleich Signale an das Gehirn weiterleiten. Hier werden diese Impulse gesammelt und in Temperaturempfindungen übersetzt. Die Antworten auf die Temperaturreize betreffen nahezu den ganzen Körper. Besonders empfänglich für H2O-Reize ist unser vegetatives Nervensystem. Es ist jene Schaltzentrale, die Funktionen steuert, die willentlich nicht zu beeinflussen sind – wie etwa den Herzschlag, die Atmung oder den Blutdruck.

Das vegetative Nervensystem hat auch die Kontrolle über innere Organe und Blutgefäße: Nach einem Kältereiz erteilt es das Kommando an die Gefäße in der Haut, sich flugs zusammenzuziehen und dann nach Abklingen des Reizes wieder weit zu stellen. Was die Durchblutung ankurbelt und erklärt, warum bei einem kalten Guss die Haut erst blass, danach wieder rosig wird und sich ein angenehmes Wärmegefühl breitmacht. Die Reaktion auf Temperaturreize beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Stelle, an der kaltes oder warmes Wasser auf die Haut trifft. Vielmehr ist fast der gesamte Körper miteinbezogen. Das liegt an dem weit verzweigten Netz an Nervenbahnen, durch das die einzelnen Körperbereiche miteinander in Verbindung stehen. Ein kalter Guss an den Unterschenkeln kann also durchaus für gesteigerte Durchblutung in einem anderen Körperteil sorgen – “konsensuelle Reaktion” sagt die Medizin dazu.

Mit Kneipp gegen den Bluthochdruck

Ansteigendes Armbad

Neben der Regulation des Blutdrucks auch angezeigt bei Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen und Erkältungskrankheiten: In ein Waschbecken oder eine Armbadewanne warmes Wasser (etwa 30 Grad) einlaufen lassen. Davor setzen, die Arme entkleiden und beide Arme ins Wasser legen, so dass die Ellenbogen mit Wasser bedeckt sind. Nun langsam heißeres Wasser nachlaufen lassen und auf diese Weise im Laufe von 15 Minuten die Wassertemperatur auf etwa 40 Grad steigern (mit einem Badethermometer prüfen). Danach die Arme aus dem Wasser nehmen und mit einem Handtuch trocken tupfen.

Kalter Schenkelguss

Bei dieser intensiven Kaltwasserbehandlung wird durch den Kältereiz das Blut aus dem Kopf in die Beine geleitet. Dies senkt den Blutdruck. Zudem fördert der kalte Schenkelguss die Durchblutung und kräftigt die Venen. Deshalb tut ein kalter Schenkelguss auch bei Krampfadern und anderen Venenleiden gut.

In die Badewanne oder Dusche stellen – sicherheitshalber auf eine Matte oder einen Lattenrost. Dann den Duschkopf vom Schlauch drehen und kaltes Wasser einstellen. Den Kaltwasserstrahl jetzt am rechten Fuß ansetzen. Diesen dann über die Außenseite des Beins hoch bis zum Po führen. Dort für einige Sekunden verweilen, den Strahl an der Innenseite des Beins wieder zurück zum Fuß führen und ohne Unterbrechung zum linken Fuß über wechseln. Am linken Bein ebenso verfahren und dann, ebenfalls wieder ohne Pause, zur Vorderseite der Beine übergehen. Hier wieder am rechten Bein beginnen, an dessen Vorderseite hinauf zur Leistengegend gehen, dort wieder für einige Sekunden verweilen und den Strahl an der Innenseite des rechten Beins zurück zum Fuß führen. Hier gleich auf den linken Fuß überwechseln. Mit dem linken Bein wieder ebenso verfahren und zum Abschluss beide Fußsohlen kurz mit kaltem Wasser abspülen. Das Wasser von der Haut abstreifen und etwas Warmes anziehen.

Wassertreten

Nach “Storchenart” durchs Wasser zu laufen, zählt mit zu den bekanntesten Verordnungen von Pfarrer Kneipp. Durch das Anheben der Füße aus dem Wasser und den damit verbundenen Wechsel von kalt und warm werden die Durchblutung gefördert und der Blutdruck reguliert. Zudem ist Wassertreten eine der besten Methoden zur Abhärtung. Erfahrene Kneippisten schwören darüber hinaus bei Schlafstörungen und Venenerkrankungen auf den Storchengang. Dieser lässt sich nicht nur in speziellen Tretbecken der Kurbäder, sondern auch in kleinen Bächen oder zuhause in der Badewanne praktizieren.

Die Badewanne zu drei Viertel der Wadenhöhe mit kaltem Wasser füllen und dann wie ein Storch für dreißig bis sechzig Sekunden im Wasser stapfen. In der Praxis sieht das so aus, dass man sich an der Stelle bewegt und bei jedem Schritt die Beine abwechselnd über den Wasserspiegel hebt. Anschließend nicht abtrocknen, sondern das Wasser mit den Händen von der Haut abstreifen und warme Wollsocken anziehen.

Wechselwarmes Fußbad

Zwei Fußbadewannen oder große Plastikeimer in die Badewanne stellen und einen Stuhl davor. Dann die eine Fußbadewanne mit kaltem (ca. 12 bis 16 °C), die andere mit warmem (ca. 38 bis 40 °C) Wasser füllen. Die Füße sollten im Wasser hängen und nicht bis zum Boden der Wannen reichen. Zuerst beide Füße in das warme Wasser tauchen und nach etwa fünf Minuten in das kalte Wasser wechseln. Im kalten Wasser nur für etwa dreißig Sekunden mit den Füßen bleiben. Anschließend die Anwendung noch einmal wiederholen. Die Füße aus den Wannen nehmen. Dann das Wasser nur von der Haut abstreifen und warme Wollsocken anziehen.

Hier finden Sie mehr Beiträge aus unserer Serie “Blutdruck-Management”.

Foto: © Vera Kuttelvaserova / Fotolia
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