Mit Schablone zur neuen Herzklappe

Mit Hilfe einer neuen Operationsmethode kann eine Herzklappe vollständig aus körpereigenem Gewebe des Patienten hergestellt werden – ein einzigartiges Verfahren.

Schaumzuckerherzen auf blauem Hintergrund: Mittels Schablone können Herzchirurgen eine neue Herzklappe aus körpereigenem Gewebe des Patienten herstellen.

Unser Herz pumpt ständig sauerstoffreiches Blut der Lunge durch die Hauptschlagader, Aorta, in den Körper. Die Aortenklappe dient ihm dabei als Sicherheitsventil. Denn sie sorgt dafür, dass das Blut nicht wieder in die Herzkammer zurückfließt. Besagte Klappe besteht aus drei Segeln, die an einem Ring, dem sogenannten Klappenring befestigt sind. Bei einem angeborenen Herzklappenfehler, einer Infektion der Herzklappe oder – was am häufigsten ist – einer Einengung, kann die Aortenklappe ihre Aufgaben nicht mehr zuverlässig erfüllen. Sie muss dann ausgetauscht werden. Die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie des Deutschen Herzzentrums München macht dies seit November 2016 mit einem innovativen Verfahren – nach ihrem Entwickler Ozaki-Methode genannt.

Herzklappe mit vielen Vorteilen

Mit dem neuen Verfahren wird die neue Klappe aus Patientengewebe geformt. Viele bisherige Probleme können damit umgangen werden. Bisher erhalten Patienten entweder eine künstliche Klappe aus Titan oder eine biologische Spenderklappe aus Rindern oder Schweinen. Beide Methoden bringen jedoch Nachteile mit sich. Bei einer Titanklappe muss der Patient lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, damit keine Blutgerinnsel am Implantat entstehen. Schon kleine Verletzungen werden für die Patienten dann zum Problem, weil das Blut nur langsam gerinnt. Rinder- oder Schweineklappen haben nur eine Lebensdauer von 10 bis 15 Jahren und müssen dann ersetzt werden. Bei Kindern und jungen Erwachsenen mit angeborenem Klappenfehler kann die Haltbarkeit aufgrund der vermehrten mechanischen Beanspruchung sogar noch geringer sein. Das erfordert häufiger komplexe Eingriffe am offenen Herzen. Die Herzklappe aus körpereigenem Material hat dagegen eine deutlich längere Haltbarkeit. Zudem ist nach der Operation keine Einnahme von Gerinnungshemmern mehr notwendig.

Perfekt passend dank Schnittmuster

Bei der Ozaki-Methode wird die defekte Aortenklappe zuerst vollständig entfernt. Zum Aufbau der neuen Klappe entnimmt der Herzchirurg ein entsprechend großes Stück aus dem Herzbeutel des Patienten. Dieses dient dann als neues Material für die Herzklappe. Bevor das Herzbeutelgewebe dafür verwendet kann, muss es behandelt werden. Denn nach der Entnahme ist noch sehr weich. Um es als robuste und dauerhafte Klappe einsetzen zu können, wird es gegerbt – vergleichbar mit der Herstellung von Leder. Für die individuell passende Klappengröße vermessen die Ärzte die alten Klappensegel. Dann schneiden sie mit Hilfe einer angepassten Schablone die neuen Segel aus dem entnommenen Herzbeutel. Die Schablone dient also gewissermaßen als Schnittmuster. Anschließend werden die neuen Segel im Herzen des Patienten am natürlichen Klappenring angenäht.

Foto: © s_karau / fotolia.com

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