Psyche: gekränkte Herzen

Die Psyche spielt eine Schlüsselrolle für die Herzgesundheit: Das emotionale Befinden entwickelt eine ebenso gefährliche Dynamik wie körperliche Risikofaktoren.

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Nicht allein Ernährungssünden, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Zigaretten können das Herz kränken. Anhaltender psychischer Stress und seelische Erkrankungen wie Depressionen bergen eine nicht minder große Gefahr. Der lang gehegte Verdacht über einen Zusammenhang zwischen den Leiden der Psyche und des Herzens hat sich bestätigt: Emotionaler Stress kann tatsächlich mit Blaulicht in die Intensivstation führen.

Brisante Allianzen von Herz und Psyche

Belegt ist: Seelische Konflikte und Belastungen lassen das Herz ebenso erkranken wie körperliche Ursachen. Lesen Sie hier, welche psychischen Einflüsse die Herzgesundheit beeinträchtigen.

Kontaktarmut und soziale Isolation

“Was die Lebenserwartung angeht, ist soziale Isolation ein ebenso bedeutsamer Risikofaktor wie Rauchen, Bluthochdruck oder erhöhte LDL-Cholesterinwerte …”, war im renommierten Wissenschaftsmagazin “Sciene” bereits Ende der 1990er Jahre zu lesen. Heute ist fehlender sozialer Rückhalt – wissenschaftlich verbürgt – einer der wichtigsten Auslöser für psychischen Stress. Menschen, die wenig emotionalen Austausch in Partnerschaft, Familie, Freundes- und Bekanntenkreis haben, tragen ein wesentlich größeres Risiko für Herzerkrankungen. Ganz unabhängig von anderen Aspekten, die bei der Entstehung dieser Krankheit eine Rolle spielen. Ein gutes soziales Netzwerk, die Erfahrung menschlicher Nähe und Vertrauen wirken hingegen wie ein Puffer, der Stress reduziert – und das Herz schützt.

Gebrochenes Herz

Der Verlust eines geliebten Menschen und Liebeskummer beeinträchtigen auch die Leistungskraft unseres Lebensmuskels: Die Redewendung vom gebrochenen Herzen besitzt eine medizinisch klar nachvollziehbare Grundlage. Dies zeigt unter anderem die zu trauriger Berühmtheit gelangte “Broken Heart”-Studie. Nomen est Omen: Die Sterblichkeitsrate an Herzerkrankungen lag bei Witwern im ersten halben Jahr nach dem Verlust der Ehefrau um 40 Prozent höher, als bei verheirateten Männern gleichen Alters und Risikoprofils.

Unterdrückte Emotionen

Wer seinen Gefühlen, einerlei ob positiv oder negativ, keinen Ausdruck verleiht, versetzt sein Herz in Stress. Unterdrückte Emotionen haben sich als hohes Risiko erwiesen: Wie Studien zeigten, besteht zwischen ihnen und der Sterblichkeit an Herzkrankheiten ein eindeutiger Zusammenhang.

Extremerfahrungen

Extremer emotionaler Stress lässt das Risiko für das Auftreten eines akuten Herzinfarktes deutlich in die Höhe schießen. Eklatant offenbart sich dies in lebensbedrohlichen Situationen. So stieg bei dem schweren Erdbeben, das 1994 die Stadt Los Angeles und die umliegenden Regionen erschütterte, die Zahl der plötzlichen Herztode um das Fünffache an. Ähnliches war zu Beginn des Golfkrieges 1991 zu beobachten: Die Rate an Herzinfarkten und plötzlichen Herztoden schnellte sprunghaft in die Höhe. Allein in Israel wurden in den ersten Kriegstagen dreimal mehr Infarkte verzeichnet als jemals zuvor.

Lebenskrisen

Auch einschneidende Veränderungen der Lebenssituation, die emotional stark belastend sind, können den Herzschlag aussetzen lassen. Schwere negative Ereignisse wie etwa der Verlust des Lebenspartners oder die Kündigung des Arbeitsplatzes, haben nicht selten fatale Folgen: Patienten mit Herzinfarkt waren vielfach kurz vor dessen Eintritt solchen Krisensituation ausgesetzt. Aber auch die vermeintlichen “Kleinigkeiten” die einen in Rage bringen, können eine Gefahr für das Herz bedeuten. So ist das Risiko, innerhalb der nächsten Stunde nach einem Wutausbruch einen Infarkt zu erleiden, bis zu 15 mal höher als sonst.

Depressionen

Unter Herzkranken finden sich überdurchschnittlich häufig Patienten mit Depressionen. Inzwischen ist belegt, dass sowohl leichte wie auch schwere depressive Störungen ein bedeutendes Risiko für die Entstehung einer koronaren Herzkrankheit wie auch für deren weiteren Verlauf darstellen. Das Sterberisiko bei Depressiven nach Infarkt ist um das Vierfache höher als bei anderen Patienten. Die Leiden der Seele können also nicht nur Folge, sondern sehr wohl auch Auslöser für die Leiden des Herzens sein. Depressionen werden heute ebenso als Risikofaktoren gewertet wie die “Klassiker” Bluthochdruck oder Übergewicht.

Kardiologie auf neuen Wegen

Die Erkenntnisse zur Schlüsselrolle psychischer und sozialer Faktoren bei Erkrankungen des Herzens zeigen, dass sich die Herztherapie zukünftig ganzheitlicher orientieren sollte. Denn zur dauerhaften Gesundung benötigen Herzpatienten vielfach eben genauso einen Kardiologen wie einen Psychologen. Ersterer für die Besserung der körperlichen Symptome, zweitem für die seelische Gesundheit. Auch die betroffenen Patienten sollten sich nicht scheuen, ihrer leidenden Psyche wirksam zu helfen. So gibt es beispielsweise psychotherapeutische Maßnahmen gezielt für Herzpatienten.

Lesen Sie auf Journal Herz-Kreislauf auch über Psychotherapie bei Herzleiden und
Selbsthilfe, um leichteren Herzens durchs Leben zu gehen.

Foto: © aytuncoylum / Fotolia
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