Reisen als Herzkranker?

Urlaub, endlich! Doch viele herzkranke Menschen fragen sich auch, ob sie mit Stent oder Bypass fit genug zum Reisen sind.

Schilder mit fernen Zielen: Herzkranke sollten sich vorher gründlich untersuchen lassen, bevor es auf Reisen geht.Die Urlaubszeit steht bevor, lang ersehnt und wohl verdient. Ein paar entspannte Wochen … Doch bei manchen ist die Vorfreude auf die Auszeit getrübt. Wer an Herzerkrankungen leidet fragt sich oftmals: Kann ich eigentlich reisen, auch im Flieger oder auf einem Kreuzfahrtschiff?

Erster Eindruck

Wer Zweifel hat, ob er z.B. mit Stent oder Bypass reisetauglich ist, sollte zunächst seinen Hausarzt oder Kardiologen aufsuchen. Anhand eines Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG) wird geprüft, ob reisen gefahrlos möglich ist. Meist wird noch ein Herzecho, eine Ultraschalluntersuchung des Herzens gemacht – ebenso unter Belastung. Bei beiden Untersuchungen muss der Patient sich also körperlich anstrengen, damit die Ergebnisse aussagekräftig genug sind. So ganz auf Nummer sicher lässt sich damit aber noch nicht gehen.

Grünes Licht zum Reisen

Anders als Belastungs-EKG und Ultraschall schafft eine Myokardszintigraphie letzte Gewissheit: Dieses bildgebende Verfahren beantwortet die Frage nach der Reisetauglichkeit zuverlässig. Zeigt die Untersuchung keine Durchblutungsstörung des Herzens, ist ein drohender Herzinfarkt für die nächsten fünf Jahre nämlich nahezu ausgeschlossen. Einer dänischen Studie* zufolge, liegt nach einem normalen Befund die Sterberate an Herzinfarkt in den ersten fünf Jahren bei unter einem Prozent pro Jahr. So hat sich der Begriff der „5-Jahres-Garantie“ bei einer unauffälligen Myokardszintigrafie etabliert. Diese „Garantie“ kann durchaus sogar länger gelten, legt eine Studie aus den Niederlanden** nahe. Demnach ist die Sterberate oft sogar nach 15 Jahren nicht erhöht. Fazit: Ergab die Myokardszintigraphie eine normale Durchblutung des Herzens, war also unauffällig, kann unbeschwert auf Reisen gegangen werden – und das nicht nur in diesem Jahr.

So verläuft die Untersuchung

Die Myokardszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung. Dazu wird dem Patienten eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Dieses absolut ungefährliche Mittel speichert der Herzmuskel vorübergehend – was mit einer Kamera verfolgt wird. Ihre Bilder zeigen dann, ob alle Bereiche des Herzmuskels ausreichend mit Blut versorgt werden. Ist dies nicht der Fall, weist das auf verengte Herzkranzgefäße und ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt hin. Die Myokardszintigrafie ist eine Kassenleistung, die allen Versicherten offensteht. Sie wird ambulant in einer nuklearmedizinischen Praxis durchgeführt.

*Simonsen J.A. et al. Prognosis in patients with suspected or known ischemic heart disease and normal myocardial perfusion: Long-term outcome and temporal risk variations. J Nucl Cardiol. 2013; doi:10.1007/s12350-013-9696-0
**Arend F.L. et al. 15-Year outcome after normal exercise 99mTc-sestamibi myocardial perfusion imaging: What is the duration of low risk after a normal scan? J Nucl Cardiol. 2012; 19(5): 901–906
Foto: © RTimages – Fotolia
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