Rhythmusstörungen nehmen weiter zu

Schon jetzt sind Rhythmusstörungen die häufigsten Herzerkrankungen. Dank der steigenden Lebenserwartung erhöht sich ihre Zahl weiter – eine brisante Entwicklung.

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1995 waren Herzrhythmusstörungen für 282 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner verantwortlich – 2015 bereits für 560*. Experten prognostizieren, dass die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahren weiter rasant ansteigt. Grund: Wir werden immer älter. Und mit den Jahren nimmt das Risiko für Rhythmusstörungen zu. Gerät das Herz aus dem Takt, kann das lebensbedrohliche Folgen haben. So stand die diesjährige Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim nicht umsonst unter dem Motto „Rhythmus des Lebens“.

Volkskrankheit Vorhofflimmern

Ein Schwerpunkt des Kongresses in Mannheim widmete sich der häufigsten unter den Rhythmusstörungen, dem Vorhofflimmern: Unter der Volkskrankheit leiden in Europa sechs Millionen Menschen. Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Bei den über 70-Jährigen sind es zehn Prozent, bei den Jüngeren nur ein Prozent. Laut Tagungspräsident Prof. Dr. Martin Borggrefe, Mannheim, gibt es in Kürze neue Möglichkeiten zur Vorbeugung: „Wir verstehen besser, was beim Vorhofflimmern geschieht und wie es dazu kommt“. So weiß man heute, dass eine genetische Veranlagung eine wichtige Rolle spielt. Zudem ist bekannt, dass es Probleme in der Zusammenarbeit der Zellen im Vorhof des Herzens gibt. Mit neuen Strategien zum Schutz vor Vorhofflimmern könnte auch das Risiko für einen plötzlichen Herztod besser gemanagt werden.

Rhythmusstörungen können tödlich sein

Die schlimmste Folge von Herzrhythmusstörungen ist der plötzliche Herztod. Dieses dramatische Ereignis fordert in Deutschland jährlich etwa 200.000 Menschenleben. Mit Hochdruck wird danach gefahndet, wie Patienten mit einem erhöhtem Risiko besser zu identifizieren sind. Die Suche hatte bereits Erfolg**: „Wir wissen heute, dass Männer um die 45 Jahre mit hohem Blutdruck und Raucher über 65 Jahre besonders stark vom plötzlichen Herztod bedroht sind“, so Prof. Borggrefe. Neue Erkenntnisse gibt es auch zu den möglichen Ursachen. Meist ist eine strukturelle Herzerkrankung verantwortlich, infolge eines überstandenen Herzinfarkts oder einer Herzinsuffizienz. Etwa fünf Prozent der Todesfälle gehen auf das Konto einer genetischen Störung. Allerdings sind auch Menschen mit scheinbar gesundem Herzen betroffen. Ungeachtet der erheblichen Fortschritte wünschen sich Experten wie Prof. Borggrefe neue Biomarker oder Gendiagnostik, „um Risikoträger noch besser identifizieren zu können“.

* Deutscher Herzbericht 2016
**Bogle BM, Ning H, Mehrotra S et al. Lifetime risk for sudden cardiac death in the community. J Am Heart Assoc. 2016 Jun 29;
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 04/2017
Foto: © sudok1 / fotolia.com
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