Herzrisiko psychischer Stress

Stress ist ebenso gefährlich wie Übergewicht und Bluthochdruck: Bei der Entstehung von Herzerkrankungen spielen emotionale Belastungen und soziale Umstände eine bedeutende Rolle.

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben weiterhin eine regelrechte Epidemie – nach wie vor sind sie die häufigsten Todesursachen. Bei der Forschung nach den Ursachen fügten sich Puzzlestücke zusammen, die zeigen: Stress im emotionalen und sozialen Bereich lasten enorm auf der Herzgesundheit. Sie besitzen das gleiche Gefahrenpotenzial wie die körperlichen Risikofaktoren.

Davon zeugen nicht nur die zahllosen Herzkranken mit vorbildlicher Lebensweise, sondern auch die Ergebnisse vieler Studien. Diese lassen aufhorchen. Denn sie geben Zusammenhänge zu erkennen, die man bislang für wenig plausibel hielt: Herz und Psyche sind eng verbunden.

Die Koordinaten zwischen Psyche und Herz

Wie aber kann das Herz durch emotionale und soziale Belastungen aus seinem gesunden Takt geraten? Indem diese uns Stress verursachen. Was in unserem Körper eine Kettenreaktion in Gang setzt, bei der Kaskaden von Botenstoffen ausgeschüttet werden: Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol. Diese Hormone befähigen uns, schnell und angemessen auf die Situation zu reagieren, die den Stress auslöst. An und für sich also eine sinnvolle Einrichtung – solange sie nur kurz anhält. Wird die Psyche jedoch immer wieder in Stress versetzt, hält sie das in Daueralarm und damit das Herz in Atem.

Stresshormone: reichlich schädlich

Zu viel an Stresshormonen (ver)führt den Stoffwechsel dazu, mehr freie Fettsäuren zu bilden, als er benötigt. Die Konzentration an Blutfetten steigt und damit das Risiko für Arteriosklerose. Weiterhin geraten Salz- und Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht, was den Blutdruck erhöht. Zudem heilen Schäden an den Gefäßwänden schlechter, was der Gefäßverkalkung weiter Vorschub leistet. Erhöhte Blutspiegel von Adrenalin und Noradrenalin steigern aber auch die Neigung der Blutplättchen, sich aneinander zu lagern. Dies erhöht das Risiko für Blutgerinnsel, Thrombosen, und steigert so letztlich das Infarktrisiko.

Vegetatives Nervensystem im Stress

Der zweite Weg, über den Herz und Psyche kommunizieren, ist das vegetative Nervensystem. Unter anderem unterliegen Geschwindigkeit und Rhythmus des Herzschlags seiner Steuerung. Dabei haben die beiden Gegenspieler des vegetativen Nervensystems – Sympathikus und Parasympathikus – auf das Herz jeweils entgegengesetzte Wirkung: Impulse der parasympathischen Nerven lassen Herzfrequenz und Blutdruck sinken, jene der sympathischen Nerven steigen. Wo Vegetativum und Herz empfindlich aneinandergeraten, ist bei den durch Stress hervorgerufenen Veränderungen. Denn Stress kurbelt die Aktivität des Sympathikus an und hemmt den Parasympathikus. Läuft der Sympathikus dauerhaft auf hohen Touren, steigt die Herzfrequenz und in Folge der Blutdruck. Ebenso erhöht sich der Sauerstoffbedarf des Herzens. Darüber hinaus wird die Variabilität der Herzfrequenz eingeschränkt: Die so wichtige Anpassungsfähigkeit des Herzens, mit der es umgehend auf die wechselnden Erfordernisse des Körpers reagieren kann.

Ungesunder Lebensstil

Anhaltender psychischer Stress geht jedoch noch auf einem anderen Kriegspfad zu Herzen: Wer dauerhaft unter Hochstrom steht, lebt deutlich ungesünder. Das bestätigten Studien und das kennen viele aus eigener leidvoller Erfahrung. Um die Leistungsfähigkeit zu steigern und das angegriffene Nervenkostüm vermeintlich zu „beruhigen“, greift man häufiger zur Zigarette und nimmt mehr Alkohol zu sich – um nur einige der beliebten Praktiken zu nennen, die der Herzgesundheit zusätzlich schaden.

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Foto: © Peter Atkins / Fotolia
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