Schlafmangel steigert das Herzrisiko

Schlafmangel ist ein bedeutender, jedoch oft unterschätzter Stressfaktor. Er schadet auch der Herzgesundheit. Denn zu wenig Schlaf erhöht den Blutdruck.

Paar liest im Bett Zeitung: Schlafmangel ist ein Stressfaktor fürs Herz. Zu wenig Schlaf erhöht den Blutdruck.

Schon wieder zu wenig oder schlecht geschlafen? Da geht es Ihnen wie sehr vielen anderen Bundesbürgern. Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt in Deutschland bei 12 Prozent der Bevölkerung nur fünf Stunden oder weniger. Das rangiert medizinisch bereits unter Schlafmangel. Denn empfohlen werden mindestens sechs, noch besser acht Stunden Schlaf. Ein Drittel der erwachsenen Deutschen leidet regelmäßig unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Die Folgen von zu wenig oder schlechtem Schlaf sind keineswegs „nur“ Erschöpfung und Müdigkeit am Tag darauf. Auch der Blutdruck klettert in die Höhe – und mit ihm das Risiko für weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bereits eine Nacht wirkt

Wie sich Schlafstörungen oder Schlafmangel auf den Blutdruck auswirken, messen Kardiologen mit der Langzeitmessung. Dabei trägt man über 24 Stunden hinweg ein Gerät, das regelmäßig eine Blutdruckmessung durchführt. Normalerweise sinkt der Blutdruck in der Nacht zu um etwa zehn bis 20 Prozent ab – das nennt die Medizin „Dipping“. Dieses ist bei Menschen, die zu wenig oder schlecht schlafen, abgeschwächt oder sogar ganz aufgehoben. Das führt dazu, dass die Blutdruckwerte ansteigen. Bereits eine schlaflose Nacht zeitigt diese riskante Wirkung … Wer nun regelmäßig weniger als sechs Stunden schläft, hat ein 60 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck. Kommen noch Einschlaf- oder Durchschlafstörungen hinzu, steigt das Risiko um das Vierfache.

Entzündungen und Stress durch Schlafmangel

Ein vermindertes oder fehlendes nächtliches Dipping geht in Studien* mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie KHK einher. Die Gründe für die verheerenden Wirkungen von zu wenig oder schlechtem Schlaf sind im sympathischen Nervensystem zu finden. Dieses wird durch die Schlafprobleme in verstärkte Alarmbereitschaft versetzt. Diese vermehrte Aktivität schaltet in uns den „Kampf-oder-Flucht“-Modus ein. Das bedeutet Stress. So ist auch die Ausschüttung von Stresshormonen in den Nebennieren gesteigert. Darüber hinaus erhöht Schlafmangel das Ausmaß von Entzündungen im Körper. Das führt zur Störung des Blutzuckerstoffwechsels und zur beschleunigten Gefäßverkalkung.

Schlafverhalten untersuchen

Schlafmittel sind keine Lösung. Vielmehr sollten Ärzte bei Patienten mit hohem Blutdruck immer auch das Schlafverhalten erfragen und berücksichtigen. Zudem fordern Experten bei auffälligen Langzeit-Blutdruckwerten auch Untersuchungen im Schlaflabor: Schlafmangel und mögliche zugrundeliegende Schlafstörungen sollten immer Teil der ärztlichen Diagnose bei Bluthochdruck sein.

*Javaheri S. Chest 2017; epub ahead of print: 26.1.2017
Foto: © detailblick / fotolia.com
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