Umweltbelastung geht ans Herz

Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen bekommen Zuwachs: Umweltbelastung durch Lärm und Luftverschmutzung hat ein immenses Gefahrenpotenzial, vor allem fürs Herz.

Bluthochdruck EU-Grenzwerte Feinstaub Herz-Kreislauf-Erkrankungen Herzgesundheit Lärm Lutverschmutzung Risikofaktor Umweltbelastung

In der Nähe von Autobahnen und großen Kreuzungen lebt es sich deutlich ungesünder als anderswo. Auch Bewohner von Städten mit viel Verkehr und schmutzigen Fabriken sind gefährdet – Metropolen wie Peking sind erschreckende Beispiele dafür.

Lärm macht krank

Diese Erkenntnis ist nicht neu: Die schädlichen Auswirkungen von Krach auf die Gesundheit sind hinlänglich belegt. Relativ neu ist das Wissen darüber, wie sehr das Herz darunter leidet. So zeigten Studien einen klaren Zusammenhang zwischen Lärm und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Besonders schlecht ist nächtliche Ruhestörung. Darauf kamen 2013 Mediziner des Westdeutschen Herzzentrums in Essen. Addiert sich dazu noch Luftverschmutzung, wird die Belastung für die Herzgesundheit noch schlimmer – sie potenziert sich.

Willkommen im Club

Lärmbelastung und verschmutzte Luft führen unter anderem zu Verkalkungen der Blutgefäße und Verhärtungen an der Hauptschlagader. Dieser beunruhigende Befund ist nun weiter erhärtet: durch eine europaweite Studie*. Sie beobachtete über 41.000 Menschen in Norwegen, Schweden, Dänemark, Spanien und Deutschland. Bei uns wurde das Ruhrgebiet (Mülheim, Essen und Bochum) und die Region Augsburg untersucht und verglichen. Im Pott ist die Umweltbelastung bekanntlich deutlich höher als in der bayerischen Stadt. Ergebnis nach neun Jahren: Luftverschmutzung und Lärm verursachen Bluthochdruck. Beide Umweltfaktoren waren mit dessen Auftreten verbunden. Damit ist klar, dass Lärm und verschmutzte Luft ebenso als Risiko zu werten sind. Der Club der bekannten Risikofaktoren hat neue Kollegen bekommen.

Umweltbelastung: EU-Grenzwerte zu niedrig

Wie die Studie ergab, besteht bereits bei Konzentrationen deutlich unterhalb der gültigen EU-Grenzwerte ein erhöhtes Risiko. So steigt etwa bei der Luftverschmutzung die Gefahr für die Herzgesundheit proportional zur Menge an Feinstaub: Pro fünf Mikrogramm der winzigen Partikel erhöht sie sich um 22 Prozent. Diese Menge entspricht ungefähr dem Unterschied zwischen dem am stärksten verschmutzten und dem saubersten Viertel einer Stadt.

Leider  ist das nicht das erste Mal, dass sich Grenzwerte als unzureichend entpuppen, um uns zu schützen …

*Fuks K. et al. Long-term exposure to ambient air pollution and traffic noise and incident hypertension in seven cohorts of the European study of cohorts for air pollution effects (ESCAPE) Eur Heart J ehw413.

Foto: © elcovalana / fotolia.com

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