Von der Pflanze zum Extrakt

Rationale Phytopharmaka sind hochwertige Arzneimittel. Erfahren Sie hier, wie sich Baldrian, Melisse & Co. dazu mausern: von der Ernte auf dem Weg ins Arzneiregal.

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Die Inhaltsstoffe von Heilpflanzen werden exakt untersucht. Sind die wirksamen Stoffe gefunden, lassen sich Extrakte entwickeln. Sie besitzen einen stets gleichbleibend hohen Gehalt an diesen wichtigen Inhaltsstoffen.

Anbau und Ernte

Heilpflanzen stammen heute fast ausschließlich aus kontrolliertem ökologischen Anbau in Plantagen. Dadurch können einzelne Pflanzenarten nicht verwechselt, vermischt und verunreinigt werden. Zudem lassen sich so die Wachstumsbedingungen leichter sicherstellen und Qualitätsschwankungen vermeiden. Auch die Ernte kann zum besten möglichsten Zeitpunkt erfolgen.

Trocknen und zerkleinern

Sind die Pflanzen geerntet, werden sie getrocknet. Die für das Arzneimittel erforderlichen Pflanzenteile, bei Baldrian beispielsweise die Wurzeln, werden anschließend gereinigt und zerkleinert.

Extraktion

Als nächstes erfolgt der Zusatz des Lösungsmittels zum geschnittenen Ausgangsmaterial, der so genannten Schnittdroge; die eigentliche Extraktion. Der dabei gewonnene Auszug, der Rohextrakt, wird durch chemisch-physikalische Trennverfahren von unerwünschten Bestandteilen befreit. Die Spreu gewissermaßen vom Weizen getrennt. Übrig bleiben – nun hochkonzentriert – nur noch die Inhaltsstoffe, die für die Wirkung wichtig sind. Der solcherart “gesäuberte” Rohextrakt wird danach getrocknet und gemahlen.

Extrakt “verpacken”

Nun wird der Rohextrakt “verpackt” – meist in Tabletten oder Kapseln. Dafür presst man ihn in die gewünschte Form und zieht ihm einen Mantel über. Dieser schützt das medizinische Material und sorgt zudem für bessere Schluckbarkeit: Eine Kapsel, beispielsweise umhüllt mit Zellulose, rutscht leichter. Extrakte kommen auch als Lösungen auf den Markt. In der Regel werden sie dazu mit alkoholischen Tinkturen in genau festgelegtem Verhältnis vermengt.

Extrakt ist nicht gleich Extrakt

Pflanzliche Arzneimittel enthalten nicht nur einen, sondern viele verschiedene Inhaltsstoffe. Obwohl aus ein und derselben Pflanze gewonnen, können sie sich in ihrer Zusammensetzung deutlich unterscheiden – und damit auch in ihrer Wirksamkeit.

Einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung hat das Herstellungsverfahren. Deshalb ist auch jeder nach einem eigenen Verfahren hergestellte Extrakt ein Unikat, ein in seiner spezifischen Zusammensetzung gesonderter Wirkstoff. Unterschiedlich hergestellte Extrakte sind, selbst wenn sie aus der gleichen Pflanze gewonnen wurden, nicht identisch. Denn ihre Zusammensetzung hängt wesentlich vom Herstellungsverfahren ab. So können nach unterschiedlichen Verfahren hergestellte Extrakte Unterschiede in den Wirkungen, der Wirksamkeit und der Verträglichkeit aufweisen. Wissenschaftliche Ergebnisse wie der Nachweis der Wirksamkeit können deshalb auch nicht übertragen werden, sondern besitzen ausschließlich für den jeweils dazu untersuchten Extrakt Gültigkeit.

Standardisierung: Einstellung auf den Wirkstoffgehalt

Für den Erfolg der Behandlung ist es außerordentlich wichtig, dass die Arzneimittel stets den gleichen Gehalt an wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen aufweisen. Schließlich muss gesichert sein, dass das Medikament stets die gleiche Dosis des Wirkstoffs liefert. Dies gewährleisten standardisierte Extrakte. Sie besitzen den stets gleichen Standard wie der ursprüngliche Extrakt – der Prototyp, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich geprüft wurde. Die Standardisierung gewährleistet, dass dieser Prototyp immer wieder erreicht wird.

Lesen Sie hier mehr auf Journal Herz-Kreislauf zu pflanzlichen Extrakten.

Foto: © Filipebvarela / Fotolia
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