Wadenkrämpfe: Warnsignal für gestörte Beindurchblutung

Öfters Wadenkrämpfe beim Gehen oder Treppensteigen? Könnte auf eine periphere arterielle Verschlusskrankheit hindeuten. Denn das ist das häufigste Warnzeichen dafür.

Wadenkrämpfe können auf Durchblutungsstörungen in den Beinen hindeuten.

Umgangssprachlich heißt sie Schaufensterkrankheit. Denn die schmerzhaften Beschwerden bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit, kurz pAVK, nötigen die Betroffenen immer wieder Pausen beim Gehen einzulegen. Ursache der Schaufensterkrankheit ist eine Verengung der Gefäße, die das Bein mit Blut versorgen. Der Engpass führt bei körperlicher Belastung zu einem Sauerstoffmangel in der Muskulatur, der sich wie ein Muskelkrampf oder Muskelkater anfühl.

Die Schmerzen dadurch in Waden, Oberschenkeln oder Gesäßregion zwingen die Betroffenen zum Stehenbleiben – eben so, als wollten sie die Auslagen in Schaufenstern betrachten. „Typischerweise zieht der Schmerz bei der pAVK von unten nach oben, von der Wade in den Oberschenkel“, so Prof. Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG). „Er setzt erst nach längerer Laufstrecke von etwa 200 Metern ein und hört auf, wenn man stehen bleibt – ein Phänomen, das sich wiederholt.“ In Deutschland leiden derzeit schätzungsweise bis zu acht Millionen Menschen an einer pAVK. „Wir rechnen vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung mit einer starken Zunahme“, prognostiziert Prof. Böckler.

Wadenkrämpfe sind nicht die einzigen Warnzeichen

Weitere wichtige Warnzeichen für eine fortgeschrittene arterielle Durchblutungsstörung der Beine sind außer Wadenkrämpfe kalte, pelzige Füße und hartnäckige kleine Wunden an Fuß oder Unterschenkel; etwa nach Bagatellverletzungen, die nach drei bis vier Wochen nicht abgeheilt sind. Wer solche Symptome an sich feststellt, sollte seinen Hausarzt darauf ansprechen. „Er wird zunächst die Pulse an Leiste, Kniekehle und Fuß tasten, um die Durchblutung körperlich zu untersuchen“, so Prof. Böckler.

Darauf folgt die wichtigste Technik zur Früherkennung einer pAVK: eine Doppler-Druckmessung mittels Ultraschall an Arterien an Arm und Fußknöchel, die den sogenannten Knöchel-Arm-Index oder englisch Ankle-Brachial-Index (ABI) bestimmt. „Diese Untersuchung ähnelt einer Blutdruckmessung mit zusätzlichem Ultraschall“, erklärt Prof. Böckler. Der ABI-Index gibt an, wie stark Gefäßablagerungen die Blutzirkulation behindern. Er liegt bei gesunden Menschen zwischen 0,9 bis 1,3. Bei einem ABI-Wert unter 0,9 ist der Patient an pAVK erkrankt. „Ab diesem Zeitpunkt sollten sich Betroffene an Gefäßchirurgen und Gefäßmediziner wenden“, rät der DGG-Präsident.

pAVK-Patienten sind Risikokandidaten

70 Prozent der pAVK-Patienten erleiden langfristig einen Herzinfarkt, weitere fünf Prozent erliegen einem Schlaganfall. Der Mechanismus ist nämlich der gleiche: die Gefäße sind verstopft.

Bei der Behandlung stehen zunächst Lebensstil-Maßnahmen, Gehtraining und Medikamente im Vordergrund. Schreitet die Gefäßerkrankung weiter voran und entwickelt der Patient nächtliche Ruheschmerzen oder offene Wunden, spricht man von einer kritischen Durchblutungsstörung. „Dann sollte sich der Patient in ein interdisziplinär aufgestelltes zertifiziertes Gefäßzentrum begeben“, empfiehlt Prof. Böckler. Ziel ist in solchen Fällen die Verhinderung einer Amputation.

Foto: © perfectlab / fotolia.com

 

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