Dem Helicobacter pylori Beine machen

Nahezu die Hälfte der Menscheit trägt ihn sich: den Magenkeim Helicobacter pylori. Wie er sich vertreiben lässt, lesen Sie hier.

Animation vom Helicobacter pylori: Um den Magenkeim loszuwerden, ist ein Arztbesuch notwendig.

Das Stäbchenbakterium namens Helicobacter pylori siedelt sich in der Schleimhaut des Magens an. Darin und darauf kann es sich mit seinen fadenförmigen Fortsätzen, den Geißeln, ganz hervorragend fortbewegen. Beste Bedingungen für den Keim bietet zudem, dass die Schleimhaut alle Bakterien und damit auch ihn vor der Magensäure schützt – so lässt es sich leben. Nicht umsonst ist der Magenkeim bei so vielen zuhause. Dabei gibt es allerdings starke regionale Unterschiede: In Ländern mit einem geringen Hygienestandard haben deutlich mehr Menschen den Einzeller im Magen als hierzulande und in anderen Ländern mit guten hygienischen Bedingungen.

Wie sich Helicobacter pylori einschleicht

Wie bei allen anderen Bakterien spricht man auch bei Helicobacter pylori von einer Infektion, wenn dieser Keim es sich bei uns gemütlich macht. Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch. Das geschieht oral-oral oder fäkal-oral: das heißt von Mund zu Mund oder über Ausscheidungen; beispielsweise durch befallene Nahrungsmittel oder mit dem Magenkeim verseuchtes Wasser. Die Besiedelung des Magens durch Helicobacter beginnt sehr wahrscheinlich bereits in der frühen Kindheit. Darauf deutet eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hin. Für die Vermutung des Befalls in ganz jungem Alter spricht auch, dass Babys und Kleinkinder generell anfälliger für bakterielle und virale Infektionen sind. Sich erst als Erwachsener den Magenkeim einzufangen, geschieht viel seltener, das Risiko der Infektion ist dann deutlich geringer.

Nicht jeder ist betroffen, aber …

Nicht jeder, der den Magenkeim bei sich beherbergt, erkrankt zwangsläufig. Dennoch: Er ruft immer eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut hervor. Diese sogenannte Helicobacter-Gastritis erhöht das Risiko für Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt. So kann jeder zehnte Träger des Magenkeims im Laufe seines Lebens ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür entwickeln. Jeder Tausendste davon kann in Folge der Magenschleimhautentzündung durch das Bakterium an Magenkrebs erkranken. Zudem erhöht die Helicobacter-Gastritis die Wahrscheinlichkeit für Beschwerden im Verdauungstrakt um das Zwei- bis Dreifache gegenüber jenen, die den Magenkeim nicht haben.

Wann behandeln?

Wie Sie gelesen haben, bereitet der Magenkeim nur wenigen seiner unfreiwilligen Gastgeber wirklich Probleme. Wann muss “der da im Magen” denn dann eigentlich weg? Dann, wenn er ursächlich für Beschwerden verantwortlich ist. Das heißt beispielswiese: Sie haben immer wieder Beschwerden im Oberbauch und es stellt sich bei der weiteren Diagnose heraus, dass Sie mit Helicobacter infiziert sind und deshalb eine Helicobacter-Gastritis haben. Dann ist Handeln angesagt – nämlich eine Therapie gegen den Magenkeim.

Die Eradikation

So heißt, was dem Einzeller im Magen flott Beine macht: Eine zeitlich begrenzte Therapie mit Antibiotika, in der Regel auf zehn Tage. Aufgrund dessen, das sich immer mehr Resistenzen gegen diese Medikamente entwickelt haben, geht der Trend inzwischen zur Vierfach-Therapie. Das heißt, die Eradikation erfolgt durch die Kombination von vier Präparaten: zwei Antibiotika, einem Säureblocker und einem Mittel mit dem Element Wismut. Die Heilungsraten bei der Eradikation sind hoch: Durch die modernen Vierfach-Präparate gelingt es heute bei über 90 Prozent der damit Behandelten, das Bakterium für immer aus ihrem Magen zu vertreiben. Ist es einmal weg, kommt es auch nicht wieder. Um allerdings ganz auf Nummer sicher zu gehen, wird einige Wochen nach der Eradikation noch einmal ein Test auf den Magenkeim gemacht. Das soll endgültig Gewissheit geben, dass der Spuk im Magen vorbei ist.

Fazit: Der Magenkeim kann nicht unter eigener Regie entfernt werden. Dazu ist eine ärztliche Behandlung erforderlich.

Foto: © Kateryna_Kon – Fotolia

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