Gewürze: Kochen für Gaumen und Verdauung

Das Gewürz-Regal gibt so manches wirksames Hausmittel her – ganz einfach beim Kochen können Sie so Ihrer Verdauung Gutes tun.

Fenchelsamen: Gewürze wie Fenchel, Anis, Kümmel oder Wacholder schmecken nicht nur gut, sondern helfen auch der Verdauung.Viele Gewürze erfreuen nicht nur den Gaumen, sondern dienen auch der Gesundheit: So manches aus der grünen Apotheke wird gleichermaßen als Heilmittel wie Gewürz hoch geschätzt. Durchforsten Sie mal Ihr Küchenregal und experimentieren Sie mit Anis & Co. – Ihre Verdauung wird es Ihnen danken. Und Ihr Gaumen sowieso.

Gewürze als Verdauungshelfer

Was den Reigen der Gewürze so wertvoll für unsere Verdauung macht, ist unter anderem ihr ätherisches Öl. Diese flüchtigen Substanzen sorgen nicht nur für den Geschmack und Geruch dieser Pflanzen, ganz „nebenbei“ entfalten sie umfassend positive Wirkungen auf den Verdauungstrakt. Apropos flüchtig: Leider verfliegen die guten Stoffe nur allzu schnell. Sie sollten die Gewürze daher am besten in kleinen Mengen und ungemahlen kaufen, nicht zu lange lagern und möglichst immer kurz vor der Verwendung frisch mahlen, quetschen oder im Mörser zerstoßen.

Anis

Die getrockneten Früchte des heimischen Doldenblütlers Anis – nicht zu verwechseln mit dem tropischen Sternanis – wurden schon vor Jahrhunderten bei Beschwerden mit dem Magen und der Verdauung verordnet. Dass Anis zu den besten magenstärkenden Pflanzen gehört, die uns die Natur geschenkt hat, liegt an dem ätherischen Öl Anethol. Dieses macht sich bestens gegen Blähungen und Völlegefühl. Zudem stärkt es einen schwachen Magen und fördert die Magensaftsekretion.

Anwenden können Sie Anis, ganz klar, als Gewürz: Sein leichter, feiner Lakritzgeschmack verfeinert – in Maßen eingesetzt – Süßes wie Kuchen, Plätzchen oder Desserts, aber auch vegetarische Gemüse- und Salatgerichte. Deftige Suppen, Aufläufe oder Gulasch vertragen eine gute Menge Anis. Hier am besten erst kurz vor Ende der Kochzeit zugeben, da sich die ätherischen Öle bei Hitze verflüchtigen. Für einen Tee übergießen Sie einen gehäuften Teelöffel zerdrückter Anisfrüchte mit einer Tasse kochendem Wasser und lassen dies abgedeckt zehn Minuten ziehen. Anis ist häufig auch Bestandteil von Magen-Darm-Teemischungen.

Fenchel

Was bekommen Babys, wenn sie – und auch ihre Eltern – Blähungen, Bauchweh und Koliken quälen? Genau, einen Fencheltee. Er ist das mit wichtigste Hausmittel bei Problemen im Verdauungstrakt. Denn Fenchel löst ganz hervorragend Blähungen. Nicht umsonst heißt es bereits im “Regimen Sanitatis Salernitanum”, einer bedeutenden medizinischen Schrift des Mittelalters “Fenchelsaamen entleeret den Leib von verhaltenen Winden”. Dieses Gewürz fördert auch die Darmbewegungen, die Peristaltik, und unterstützt damit die Verdauung ebenso.

Fenchelsamen (siehe Foto) lassen sich, ähnlich wie Anis, in nahezu allen Gerichten verwenden und schmecken zu Süßem und Herzhaftem. Besonders lecker sind die Samen leicht angeröstet, dann in einem Mörser angedrückt und auf Salate oder Gemüse gestreut. Die asiatische Küche kommt kaum ohne das Gewürz aus: Ob indisches Curry oder chinesische 5-Gewürze-Mischung – Fenchelsamen sind ein Muss. Besonders Geflügel und Fisch vertragen die süßlich-frische Note des Fenchels. Für einen Tee übergießen Sie einen gehäuften Teelöffel angedrückter Fenchelsamen mit einer Tasse kochendem Wasser und lassen diese abgedeckt fünf Minuten stehen.

Kümmel

Bereits die Ärzte von anno dazumal rieten „zur Stärkung des Magens, Zerteilung der Winde und wider des Grimmens im Bauch“ zu Kümmel. Ganz richtig, denn seine ätherischen Öle, wie Carveol, Carvon, Cumuninicaldehyd, Furfurol und Limonen, regen die Magensaftproduktion an und lösen Blähungen sowie Krämpfe im Magen-Darm-Trakt. Außerdem enthält Kümmel unglaublich viele Ballaststoffe. Ein Teelöffel des Gewürzes enthält etwa 10 Prozent der empfohlenen Tagesmenge eines Erwachsenen. Ballaststoffe sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die für eine gesunde Verdauung nötig sind.

Hauptverwendung des Kümmels sind Backwaren wie Brot und Brötchen, denn er macht diese bekömmlicher. Gleiches gilt für Gemüse – allen voran Kohl bzw. Kraut und Hülsenfrüchte –, Kartoffelgerichte sowie Eintöpfe aller Art. Wer das Erlebnis, auf ein Kümmelkorn zu beißen, partout nicht erträgt, kann den Kümmel vorher fein mahlen oder mörsern. Oder ihn während des Kochvorgangs in einem Tee-Ei in die Kochflüssigkeit hängen und vor dem Essen wieder entfernen. Auch mit dem ätherischen Kümmelöl (Apotheke oder Reformhaus) lässt sich in der Küche gut experimentieren. Sie können auch zwei bis drei Tropfen in etwas Wasser gelöst zu den Mahlzeiten einnehmen. Für einen Kümmel-Tee geben Sie einen gehäuften Teelöffel zerstoßener Kümmelsamen in 250 ml kochendes Wasser. Zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen und abseihen.

Wacholder

Zerstoßene und zerdrückte Wacholderbeeren galten seit jeher als magenstärkend und verdauungsfördernd. Das liegt auch an den Gerb- und Bitterstoffen, die in ihnen enthalten sind. So empfiehlt die Naturheilkunde dieses Gewürz bei Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen – in Form der Wacholderkur, auf die auch Sebastian Kneipp geschworen haben soll. Die Kur beginnt mit vier Wacholderbeeren, die pur gegessen werden. Dann steigern Sie die Dosis jeden Tag um eine weitere Beere. Bis zum zehnten Tag, wo Sie dann bei 13 Stück angelangt sind. Jetzt reduzieren Sie das tägliche Quantum jeweils wieder um eine Beere, bis Sie wieder bei vier am Tag angelangt sind.

In der Küche gibt die Wacholderbeere deftigen Gerichten eine einzigartig säurlich-würzige Note. Kein Wunder, dass Sauerkraut, Sauerbraten und viele säuerlich-eingelegte Gemüse um die schwarzen Beeren nicht drumrum kommen. Auch zu Wildfleisch und Rind harmoniert Wacholder gut. Wichtig ist, dass die Beeren erst kurz vor dem Kochen zerstoßen werden, denn leider verlieren sehr schnell an Aroma. Ein Wacholder-Tee wird mit zerquetschten Beeren hergestellt: Einen Teelöffel Beeren auf eine Tasse heißes Wasser, sieben Minuten abgedeckt ziehen lassen.

Foto: © womue / Fotolia

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