Schrittmacher für die Speiseröhre

Hoffnung für die Zahlreichen mit Reflux: Bei Erkrankungen der Speiseröhre steht ein neues Verfahren aus der modernen Medizintechnik zur Verfügung.

Mann mit Sodbrennen: Ein neuer Schrittmacher für die Speiseröhre kann Reflux-Geplagten helfen.Reflux – so heißt medizinisch, worunter zunehmend mehr Menschen leiden: Bei ihnen fließt der saure Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, oftmals sogar hinauf in den Mund- und Rachenraum. Reflux-Patienten, denen Medikamente nicht mehr helfen, können nun auf ein neues technisches Therapieverfahren hoffen.

Speiseröhre unter Strom

Der Schrittmacher ist so klein wie ein Herzschrittmacher und sieht auch so aus. Er wird mittels eines minimalinvasiven Eingriffs durch winzige Schnitte im oberen Bauchraum eingesetzt. Diese sogenannte Schlüsselloch-Operation ist sehr risikoarm: Sie birgt keine Gefahr für Komplikationen und dauert etwa 60 Minuten. Nach spätestens zwei Tagen kann der Patient die Klinik bereits wieder verlassen. Sobald der Schrittmacher implantiert ist, wird er über zwei Elektroden mit der Außenwand des Speiseröhrenausgangs verbunden. So kann er dann kontinuierlich elektrische Impulse abgeben. Diese stimulieren die Nerven und aktiveren die Muskeln des Ösophagus, wie die Speiseröhre fachsprachlich genannt wird, und entfalten darüber ihre therapeutischen Wirkungen. Die Stärke und Frequenz der Stromimpulse lässt sich jederzeit verändern. Dies geschieht gewissermaßen via „Fernbedienung“, es ist also kein weiterer Eingriff mehr erforderlich.

Ursache beseitigt, nicht nur Symptome

Beim Reflux besteht der Therapieeffekt darin, dass die elektrischen Impulse das „Ventil“ am Speiseröhrenausgang wieder abdichten – indem sie den Schließmuskel, der hier sitzt und erschlafft ist, kontinuierlich aktivieren. Der Schrittmacher setzt also direkt an der Ursache der sehr unangenehmen Erkrankung an. Denn bei den Betroffenen fließt der saure Magensaft zurück, weil die sogenannte Anti-Reflux-Barriere versagt: Der Schließmuskel ist nicht mehr stark genug, den Speiseröhrenausgang ausreichend abzudichten. In Folge dessen kommt es zum Reflux. Er zeigt sich zunächst durch Sodbrennen und kann im Verlauf auch saures Aufstoßen, ein Brennen im Brustkorb, Halsschmerzen, Heiserkeit und Reizhusten hervorrufen. Unter anderem nehmen die Patienten dagegen über Jahre hinweg Protonenpumpeninhibitoren(PPI) ein, welche die Bildung von Magensäure unterdrücken und so die Beschwerden lindern sollen. Eine ursächliche Behandlung ist das jedoch nicht und entsprechend nur mittelmäßig erfolgreich. Den Ausweg aus diesem Dilemma eröffnet nun der Speiseröhrenschrittmacher: Er beseitigt den Auslöser der Symptome.

Nicht nur bei Reflux

Der Schrittmacher ist auch bei anderen Erkrankungen der Speiseröhre effektiv. So beispielsweise bei Bewegungsstörungen der Speiseröhre: Dabei sind die Muskeln im Bereich des Hohlorgans teilweise gelähmt. Das kommt glücklicherweise sehr selten vor, mindert die Lebensqualität der Betroffenen aber erheblich. Klar, denn der Nahrungsbrei kann nicht mehr in vollem Umfang in den Magen gelangen. Das führt im weiteren Verlauf mitunter sogar dazu, dass die Patienten künstlich ernährt werden müssen. Der elektrische kleine Helfer kann sie von ihrem Leiden befreien.

Foto: © Picture-Factory – Fotolia

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