Strategien gegen die Colitis ulcerosa

Bei der Colitis ulcerosa geht es darum, die Entzündungen in den Griff zu bekommen. Wir erklären, wie das gelingen kann.

Feuerlöscher bekämpft Feuer: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie die Colitis ulcerosa können bislang nicht geheilt, nur gelindert werden. Diese häufigste chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die mit Geschwüren und Entzündungen im Dickdarm einhergeht, ist bislang nicht heilbar. Das einzig derzeit Mögliche besteht darin, die Beschwerden zu lindern. Allen voran durch entzündungshemmende Medikamente, welche die Entzündungen im Zaum halten und Krankheitsschübe unterbinden können.

Mesalazin, der starke Verbündete

Der Entzündungshemmer ist das Medikament schlechthin bei der Colitis ulcerosa. Mesalazin ist rezeptpflichtig und muss täglich eingenommen werden – meist als Langzeittherapie, also dauerhaft. Da ist sehr hilfreich, dass es inzwischen Präparate mit dem Wirkstoff in der jeweils notwendigen Tagesdosis gibt. Eine große Erleichterung für die Patienten, die dadurch nur einmal täglich ihre Medikamente nehmen müssen.

Unterschiedlich Darreichungsformen

Mesalazin kann unterschiedlich verabreicht werden. Ist der Dickdarm insgesamt betroffen, nimmt man es als Tablette oder Granulat zum Schlucken. Bei Patienten, bei denen nur der untere Abschnitt des Dickdarms erkrankt ist, kann es auch als Einlauf gegeben werden. Vorteil ist ein schnellerer Rückgang der Entzündungen im unteren Darmabschnitt, da der Wirkstoff dort lokal wirken kann. Gleiches gilt für eine weitere Variante der Anwendung von Mesalazin – der als Schaum. Mit einer Art Spraydose, die oben einen kleinen Rüssel hat, der in den Darmausgang eingeführt wird, spritzt man den Medikamentenschaum direkt an den Entzündungsherd. Auf diese Weise gelangt der Wirkstoff weiter hinauf in den Dickdarm als bei der Anwendung im Zuge eines Einlaufs.

Welche Art der Anwendung von Mesalazin zum Einsatz kommt, ist von Fall zu Fall verschieden. Abgesehen von der Schwere und dem Stadium der Colitis ulcerosa sind auch die Vorlieben der Patienten maßgeblich: Der Eine kommt besser mit dem Schlucken von Tabletten zurecht, der Andere findet lokale Anwendungen per Einlauf oder Schaum besser.

Bei schwerer Colitis ulcerosa: Kortison

Ist nahezu der gesamte Dickdarm von der Colitis ulcerosa betroffen und sind die Entzündungen stark ausgeprägt, reichen Präparate mit Mesalazin oftmals nicht mehr aus. Rezeptpflichtiges Kortison ist dann das Mittel der Wahl. Es wird in aller Regel oral genommen, also als Tablette. Mitunter ist auch die intravenöse Gabe per Spritze erforderlich, abhängig von Ausprägung und Schweregrad der Entzündungen im Dickdarm. Aufgrund der vielen Nebenwirkungen sollte Kortison nur über einen begrenzten Zeitraum von wenigen Wochen eingesetzt werden.

Immunsuppressiva schützen Gewebe

Bringt selbst Kortison keine Besserung, muss die Behandlung erweitert werden: um so genannte Immunsuppressiva. Das sind Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken. Häufig wird Azathioprin angewendet; ein Wirkstoff, der seit über 50 Jahren im medizinischen Einsatz ist. Er dient normalerweise dazu, einer Abstoßungsreaktion bei der Organ-Transplantation vorzubeugen. Denn der Körper kämpft eigentlich sofort gegen das fremde Gewebe an. Azathioprin hält jedoch das Immunsystem in Schach, so dass es das transplantierte Organ nicht angreift.

Das zweite Anwendungsgebiet dieses Immunsuppressivums sind Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper fälschlich eigenes Gewebe bekämpft. Zu diesen Krankheiten zählen neben Multipler Sklerose und rheumatoide Arthritis auch die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa. Azathioprin muss meist dauerhaft als Langzeittherapie eingenommen werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Knochenmarkshemmung.

Biologika blockieren Entzündungen

Klappt es mit allen anderen Behandlungen nicht, können neben den Immunsuppressiva auch die so genannten Biologika helfen. Es handelt sich dabei um biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe, meist monoklonale Antikörper. Sie greifen in das immunologische Geschehen im Körper ein, indem sie vor allem Entzündungen blockieren. Deshalb können sie auch gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen helfen. Hier kommt diesen biologischen Substanzen inzwischen eine wichtige Bedeutung zu. Die Kernmedikamente sind dabei die TNF-alpha-Inhibitoren (Anti-TNF), wie unter anderem das Infliximab, Adalimumab, Golimumab und das Certolizumab.

Foto: © sezer66 – Fotolia

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