Unerwünschter Mitbewohner: Helicobacter pylori

Der Magen von fast jedem zweiten von uns beherbergt den Einzeller Helicobacter. Dieses Bakterium hat Berühmtheit erlangt – keine rühmliche.

Bakterium Helicobacter Magen Magengeschwür Magenkrebs Magenschleimhaut“Gestatten, Helicobacter pylori, so lautet mein vollständiger Name. Warum ich mich vorstelle? Nun, die Wahrscheinlichkeit, dass ich auch in Ihrem Magen zuhause bin, ist groß”. Leider wahr, was dieser Einzeller sagt. Leider wahr, nämlich wissenschaftlich bestätigt ist auch, dass dieser Keim Magengeschwüre und Verdauungsbeschwerden verursachen kann.

Nobelpreis mit hohem Einsatz

Auf die schädlichen Wirkungen des Magenbakteriums kam der australische Mediziner Barry Marshall in einem spektakulären Selbstversuch: Er verabreichte sich Helicobacter pylori aus dem Magen einer seiner Patienten. Kurz darauf erkrankte er an einer schweren Gastritis. Die Magenschleimhautentzündung gilt als Vorstufe des Magengeschwürs. Damit war der Beweis für die fatalen Effekte des Magenbakteriums erbracht. Wofür der Arzt Marshall 1995 schließlich auch den Medizin-Nobelpreis erhielt – überaus verdient, nicht nur angesichts des hohen Einsatzes.

Steckbrief von Helicobacter

Helicobacter pylori ist ein gebogenes oder spiralförmiges Stäbchenbakterium. Seine Adresse lautet Magenschleimhaut: Darin und darauf kann es sich mit seinen fadenförmigen Fortsätzen, den Geißeln, super fortbewegen. Was die Bedingungen für den Keim noch verbessert ist, dass die Schleimhaut alle Bakterien vor Magensäure schützt – so lässt es sich leben. Nicht umsonst ist das Bakterium in so vielen Mägen zugegen: In Industrieländern wie Deutschland ist fast jeder Zweite damit infiziert. In Entwicklungsländern mit weniger Hygiene und schlechterem Lebensstandard sind rund 80 Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Besiedelung des Magens durch Helicobacter beginnt wahrscheinlich bereits in der Kindheit. Doch generell gilt: Je älter ein Mensch ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass er das Magenbakterium in sich trägt.

Nicht jeder ist betroffen, aber …

Nicht jeder, der Helicobacter in seinem Magen hat, erkrankt zwangsläufig. Denn die Besiedlung mit dem Bakterium verursacht oftmals keine Symptome. Dennoch: Es ruft eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut hervor. Und die erhöht das Risiko für Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt. Dazu gehören neben der Gastritis, der Magenschleimhautentzündung, Geschwüre des Magens und des Zwölffingerdarms. So sind bei 75 Prozent aller Magengeschwüre Infektionen mit Helicobacter nachweisbar. Beim Zwölffingerdarmgeschwür sind sogar 99 Prozent der Patienten davon betroffen. Durch die Schäden, die der Keim an der Magenschleimhaut verursacht, steigt auch die Gefahr für Magenkrebs und für eine bösartige Erkrankung der Lymphdrüsen im Magen, dem sogenannten MALT-Lymphom.

Ob Sie den Übeltäter in Ihrem Magen beherbergen, können Sie prüfen lassen. Wie das geht, lesen Sie hier. Auch, was gegen den Keim hilft, erklärt Ihnen Journal Magen-Darm.

Foto: © Kateryna_Kon / fotolia.com
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