Was Darmbakterien und Herzinfarkt verbindet

Ein Abbauprodukt von Darmbakterien kann die Prognose bei Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, verschlechtern. Dies fand ein internationales Forscherteam heraus.

Die Darmflora kann Risiken für einen Herzinfarkt bergen.

Zahllose Bakterien besiedeln unseren Verdauungstrakt: Dieses sogenannte Mikrobiom rückt immer stärker in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. Im Zuge der regen Forschungen zeigte sich, dass das Mikrobiom offensichtlich bei einer ganzen Reihe von Erkrankungen mitmischt. Nun stellten Wissenschaftler aus Zürich und Cleveland fest, dass Darmbakterien auch die Prognose nach einem Herzinfarkt beeinflussen können.

 

Risikofaktor aus dem Darm

Während der Verdauung bauen Bakterien die Nahrungsbausteine ab und um: einer des wichtigsten Jobs des Mikrobioms. Aus Speisen, die reich an Eiweiß und Fett sind – unter anderem Eier, fettes Fleisch und Milchprodukten mit hohem Fettgehalt – basteln Darmbakterien einen Stoff namens Trimethylamin. Er entsteht unter anderem aus dem Abbau von Carnitin und Cholin, die in diesen Nahrungsmitteln enthalten sind. Enzyme der Leber verwandeln das Trimethylamin in Trimethylamin-N-oxid, kurz  TMAO. Damit beginnen die Probleme … Denn das TMAO hat eine sehr schlechte Angewohnheit: Es aktiviert Blutplättchen und begünstigt dadurch Ablagerungen an den Gefäßwänden. So ebnet es der Arteriosklerose und damit auch Infarkten von Herz und Gehirn den Weg: Je mehr TMAO im Blut schwimmt, desto größer ist das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Mehr Probleme nach dem Herzinfarkt

An der Studie* nahmen über 2.000 Patienten mit einem frischen Herzinfarkt teil. Bei allen wurden die Konzentrationen an TMAO im Blut gemessen. Abhängig davon unterschied sich der weitere Krankheitsverlauf der Infarktpatienten – und zwar erheblich. Denn der Problemstoff aus dem Darm bestimmte über das Ausmaß von Komplikationen bei den Patienten. Unter jenen mit hohen und sehr TMAO-Werten traten bei 41,5 Prozent schwere kardiovaskuläre Probleme auf. Bei niedrigen Werten war das nur bei 11, 3 Prozent der Patienten der Fall. Indem TMAO die Prognose durch mehr Komplikationen verschlechtert, erhöht er das Risiko für einen weiteren Herzinfarkt.

In der Nachsorge von Infarktpatienten geht es also auch darum, die TMAO-Werte möglichst weit zu senken.

*Lüscher T.F. et al. Gut microbiota-dependent trimethylamine N-oxide in acute coronary syndromes: a prognostic marker for incident cardiovascular events beyond traditional risk factors. Eur Heart J. 2017 Mar 14;38(11):814-824. doi: 10.1093/eurheartj/ehw582.

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