Antibiotika-Resistenzen: gefährliche Zeitbombe

Sie drohen zur größten Gesundheitsgefahr der Menschheit zu werden: Antibiotika-Resistenzen nehmen dramatisch zu. Es müssen dringend wirksame Strategien dagegen gefunden werden.

Antibiotika-Resistenzen sind eine irre Gefahr für uns.

Antibiotika haben nicht nur äußerst problematische Nebenwirkungen wie etwa anhaltende Schmerzen. Noch schlimmer ist, dass immer mehr Krankheitserreger immer schneller resistent gegen diese Mittel werden. Bereits jetzt erkranken jährlich circa 400.000 Deutsche an Infekten mit resistenten Krankenhauskeimen, fast 15.000 von ihnen versterben daran. Bis zum Jahr 2050 könnten Antibiotika-Resistenzen jährlich 10 Millionen Menschenleben weltweit fordern – mehr als durch Krebserkrankungen. Dramatische Zahlen … Nicht umsonst sprechen die Vereinten Nationen von der „größten und dringendsten globalen Gefahr“. Denn durch Antibiotika-Resistenzen kann uns eine „präantibiotische“ Ära bevor stehen, in denen heute relativ harmlose Erkrankungen wieder tödlich verlaufen können.

Weltweit wird fieberhaft nach einem Ausweg aus dieser lebensbedrohlichen Misere gesucht. Auch beim 23. Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik Ende März 2019 in Hamburg befassten sich renommierte Experten damit.

Unnötige und falsche Anwendung

Resistenzen entstehen besonders da, wo Antibiotika falsch und unnötig anwendet werden. Letzteres ist laut Ute Leonhardt, stellvertretende Abteilungsleiterin Abteilung Ambulante Versorgung beim vdek, bei etwa 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen hierzulande der Fall. „Betroffen sind vor allem Atemwegsinfekte, die zu 90 Prozent viral bedingt sind“. Auch die falsche Einnahmedauer trägt zu Antibiotika-Resistenzen bei. Die richtige Devise ist „so kurz wie möglich, so lange wie nötig“, so Dr. med. Rainer Höhl, Oberarzt am Institut für Klinikhygiene, medizinische Mikrobiologie und Klinische Infektiologie, Klinikum Nürnberg. Was jedoch leider kaum Beachtung findet.

Wir alle fördern Antibiotika-Resistenzen

Erschreckend, aber leider wahr. Durch den unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika tragen wir erheblich zur Resistenzproblematik bei. Viele verlangen von ihrem Arzt ein Antibiotikum, obwohl es gar nicht angezeigt ist – bei viralen Infekten etwa. Doch leider geben (zu) viele Ärzte nach, um ihre Patienten zufrieden zu stellen. Nicht von ungefähr gibt es so immens viele nicht-indizierten Antibiotika-Verordnungen. „Viele Ärzte überschätzen die Erwartungshaltung ihrer Patienten ‚nach schneller Abhilfe‘ und verschreiben die Präparate auch dann, wenn sie nicht erforderlich sind“, so Leonhardt. Zu diesem Schluss kam unter anderem das von den Ersatzkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung initiierte Versorgungskonzept RESIST. Im Hinblick auf die richtige Anwendung von Antibiotika besteht also noch sehr viel Aufklärungsbedarf. Nicht nur bei den Patienten, sondern auch bei Ärzten und Apothekenpersonal. Zumal in Deutschland auch viel zu viele Breitbandantibiotika verordnet werden.

Die enorme Bedrohung hat auch die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Sie etablierte 2008 die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie, kurz DART, die bereits Erfolge verzeichnen kann. Doch um die „tickende Zeitbombe“ zu entschärfen, muss „international noch viel enger vernetzt kooperiert werden“, fordert MdB Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Ernährung, Landwirtschaft und gesundheitlicher Verbraucherschutz.

Quelle: 23.Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik „Raus aus der Antibiotikamisere: Welche Lösungsansätze funktionieren?“, 26. März 2019 in Hamburg. Veranstalter: G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG

Foto: © Kateryna_Kon – Fotolia.com
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