PAIN 2020: Schutz vor chronischen Schmerzen

Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist das Ziel von PAIN 2020. An dem Projekt sind tausende Schmerzpatienten beteiligt.

PAIN 2020 kann schmerzgeplagten Menschen gezielt helfen.

Klagen Patienten über einen Zeitraum von mindestens drei bis sechs Monaten über Schmerzen, die ihre gesamte Lebenswelt beeinflussen, sprechen Experten von chronischem Schmerz. Etwa 7,5 Prozent der deutschen Bevölkerung sind von solchen beeinträchtigenden Schmerzen betroffen. Die körperlichen und psychosozialen Beeinträchtigungen durch chronischen Schmerz sind für die Patienten enorm, die Lebensqualität sinkt. “Die Folge können auch noch Probleme im Arbeitsleben und im sozialen Umfeld sein“, warnt Prof. Dr. med. Martin Schmelz, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

PAIN 2020 hat viel vor

Für Patienten mit einem Risiko für eine Chronifizierung des Schmerzes hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. mit der Krankenkasse BARMER und weiteren Partnern nun das Projekt PAIN 2020 initiiert. Der so passende Name steht für Patientenorientiert. Abgestuft. Interdisziplinär. Netzwerk. Das Projekt prüft, wie Patienten vor einer Chronifizierung ihrer Schmerzen bewahrt werden können. Im Fokus stehen dabei die frühzeitige interdisziplinäre Diagnostik und entsprechende Therapieempfehlungen. Das Modellprojekt wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit sieben Millionen Euro gefördert. Es läuft zunächst über drei Jahre und erfasst insgesamt 6.000 Patienten.

Zur Identifikation von Patienten mit hohem Chronifizierungsrisiko dienen bestimmte Kriterien. Diese sind Schmerzen über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen oder wiederkehrender Schmerz trotz einer fachspezifischen Behandlung. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität ist durch den Schmerz eingeschränkt. Weiteres Kriterium ist eine aktuelle, seit vier Wochen andauernde Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit von mindestens sechs Wochen in den zurückliegenden zwölf Monaten.

Neue Diagnostik und Behandlungsmodule

Im Zentrum steht die umfassende Untersuchung der Betroffenen in Form einer interdisziplinären multimodalen Bewertung durch ein Team aus Ärzten, Psychologen und Physiotherapeuten. Sie sollen gemeinsam auf Basis ihrer jeweiligen Befunde auf die Patienten zugeschnittene Therapien empfehlen. Das Team informiert und berät die Patienten, welche Therapie beim Hausarzt, beim Facharzt, ambulant, stationär oder in einer Tagesklinik empfehlenswert ist.

Für PAIN 2020 wurden zwei neue interdisziplinäre Therapiemodule entwickelt, die die üblichen Therapieformen in der ambulanten Versorgung ergänzen sollen. Beim Behandlungsmodul „Edukation (E-IMST)“ handelt es sich um eine einmalige Schulung. Dabei bekommt der Patient in einer drei Stunden dauernden Gruppenschulung Basisinformationen zu Ursachen und Formen sowie zur Bewältigung von Schmerzen. Auch die Bedeutung von Eigenverantwortung in der Anwendung schmerzreduzierender Strategien ist dabei Thema. Das Behandlungsmodul „Begleitende Therapie (B-IMST)“ ist berufsbegleitend mit 32 Stunden, verteilt über zehn Wochen, umfangreicher. In Gruppen von acht Patienten werden die Teilnehmer ebenfalls über die Erkrankung und die Methoden der Schmerzbewältigung informiert. Zudem erhalten sie Unterstützung, um selbstverantwortlich mit körperlichen und psychischen Bedürfnissen umzugehen und Strategien im Umgang mit chronischen Schmerzen und anderen Belastungen zu entwickeln.

Weitere Informationen unter: www.pain2020.de.

Foto: © Eugenijus Marozas – Fotolia.com
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