Schrittmacher nimmt chronische Schmerzen

Schrittmacher helfen nicht nur bei Herzerkrankungen, sondern auch gegen chronische Schmerzen. Von der neuartigen Therapie können Millionen von Patienten profitieren.

Schrittmacher gegen chronische Schmerzen.

Jeder fünfte Deutsche leidet unter chronischen Schmerzen. Viele dieser Patienten haben eine lange Leidensgeschichte. Trotz Behandlung mit Medikamenten und oftmals auch Operationen kommen die Schmerzen immer wieder. Nichts hilft mehr? Falsch.

Eine neue wirksame Therapieoption ist ein Schrittmacher. Er setzt über die sogenannte Neuromodulation direkt an den Nerven an.

Schrittmacher verändert Schmerzwahrnehmung

Die neue Behandlung basiert darauf, dass bestimmte Bereiche des Rückenmarks durch schwache elektrische Ströme stimuliert werden. Diese leichten Stromimpulse geben die Elektroden des Schrittmachers ab. Jetzt wird es spannend: Durch die Stimulation werden die Schmerzsignale auf dem Weg zum Gehirn abgefangen. „Die Schmerzweiterleitung ist somit dauerhaft unterdrückt“, so  Prof. Dr. Jan Vesper, Neurochirurg am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD). Die Stromimpulse, die der Schrittmacher abgibt, verändern also die Schmerzwahrnehmung im Gehirn. So können sie den Schmerzpatienten von seinem oft jahrlangen chronischen Schmerzen befreien.

Automatische Anpassung an den Patienten

Laut Prof. Vesper ist der Schmerz eines jeden Patienten und wie er auf eine Behandlung anspricht, individuell ganz verschieden. Deshalb personalisiert der Schmerzschrittmacher die Signalstärke der stimulierenden Stromimpulse. „Das neue System passt sich mit verschiedenen Wellenformen eigenständig und automatisch an die individuellen Bedürfnisse des Patienten an – es erfolgt immer genau der medizinisch notwendige Impuls“. Das vereinfacht einerseits die Behandlung der Schmerzen, verhindert Überdosierungen und sorgt andererseits für einen geringeren Energieverbrauch. Die Geräte und Akkus leben dadurch länger, auch im Langzeitverlauf.

Und die Risiken?

Angesichts des operativen Eingriffs zum Einsetzen des Schrittmachers überkommen viele der Schmerzpatienten so ihre Zweifel, ob das denn nun tatsächlich sein muss … Zudem ist das Gerät 5,5 cm lang und 4,6 cm breit. Keine Sorge, sagt Prof. Vesper: „Wir arbeiten hier minimal-invasiv, das heißt mit sehr kleinen Schnitten oder Punktationen“. Die Risiken des Eingriffs sind sehr viel kleiner, als das jahrelange Einnehmen und eine mögliche Abhängigkeit von schweren Medikamenten und Schmerzmitteln oder von langwierigen und wiederholten Operationen an der Wirbelsäule. „Die meisten Patienten können die Klinik nach etwa drei Tagen wieder verlassen“.

Foto: © Gerd Altmann – pixelio.de
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