{"id":1446,"date":"2018-02-28T08:45:16","date_gmt":"2018-02-28T07:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/?p=1446"},"modified":"2024-11-21T17:10:47","modified_gmt":"2024-11-21T16:10:47","slug":"frauenherzen-in-gefahr-risikofaktor-weiblich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauenherzen-in-gefahr-risikofaktor-weiblich\/","title":{"rendered":"Frauenherzen in Gefahr: Risikofaktor weiblich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gleichberechtigung \u2013 im Sinne von Gleichbehandlung \u2013 l\u00e4sst in der Kardiologie auf sich warten: Frauenherzen sind deutlich gef\u00e4hrdeter als M\u00e4nnerherzen.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-5261 size-medium alignleft\" src=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2018\/02\/Fotolia_13259496_XS.jpg\" alt=\"Frauenherzen sind im Nachteil. \" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2018\/02\/Fotolia_13259496_XS.jpg 424w, https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2018\/02\/Fotolia_13259496_XS-300x200.jpg 300w, https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2018\/02\/Fotolia_13259496_XS-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/p>\n<p>Bereits 1991 wies eine US-amerikanische Studie nach, dass Frauenherzen schlechter versorgt werden. Dieser Befund hat bis heute leider reichhaltige Best\u00e4tigung gefunden. Eine Studie der Universit\u00e4t Bremen zeigte beispielsweise, das mit m\u00e4nnlichen Infarktpatienten anders umgegangen wird. N\u00e4mlich besser. Auch viele andere Untersuchungen kamen zum Schluss, dass von den Fortschritten in der Herz-Kreislauf-Medizin eher M\u00e4nner profitieren. So werden Frauen mit Herzkrankheiten weniger intensiv medikament\u00f6s behandelt als M\u00e4nner. Moderne Behandlungstechniken wie etwa ein <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/bypass-lebensbruecke-fuer-das-herz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bypass<\/a> werden bei Frauen ebenso seltener angewandt.<\/p>\n<h2>Frauen sterben h\u00e4ufiger an Herzleiden<\/h2>\n<p>Das Risiko an einem Herzleiden zu sterben, h\u00e4ngt vom Geschlecht ab. Statistiken zeigen drastische Unterschiede: Frauen haben eine ung\u00fcnstigere Prognose. Das gilt besonders f\u00fcr <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/herzschwaeche-in-den-griff-bekommen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzschw\u00e4che<\/a>. Hier lag die Zahl der Todesf\u00e4lle pro 100.000 Einwohner bei Frauen um 81,6 Prozent h\u00f6her als bei M\u00e4nnern. \u00c4hnliches Bild bei <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/falsch-getaktet-herzrhythmusstoerungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzrhythmusst\u00f6rungen<\/a>: Hier ist die Anzahl der Todesf\u00e4lle im Verh\u00e4ltnis zur Zahl der Einwohner bei Frauen 47 Prozent h\u00f6her als bei M\u00e4nnern. Weiterhin ist statistisch erwiesen, dass Patientinnen \u00f6fter an Herzinfarkten sterben.<\/p>\n<p>Nicht nur diese Daten warnen, dass<a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauen-die-neue-risikogruppe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Frauen erheblich im Nachteil<\/a> sind. Doch warum? Gibt es vielleicht medizinische Engp\u00e4sse bei Herzpatientinnen?<\/p>\n<h2>Pannen bei Frauenherzen<\/h2>\n<p>Gr\u00fcnde f\u00fcr das eklatante Missverh\u00e4ltnis zwischen weiblichen und m\u00e4nnlichen Herzpatienten gibt es viele. Die Pannen ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Versorgung. Das beginnt bereits bei der Vorbeugung: Frauen werden von \u00c4rzten wesentlich seltener als M\u00e4nner \u00fcber die Notwendigkeit k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t, Gewichtsabnahme und Ern\u00e4hrungsaspekten beraten. Wo Worte fehlen, k\u00f6nnen schwerlich Taten folgen \u2026<\/p>\n<p>Versp\u00e4tete Diagnosen sind ein weiteres Problem. Bis eine Frau beispielsweise eine korrekte Diagnose \u00fcber ein verengtes Herzkranzgef\u00e4\u00df erh\u00e4lt, dauert es im Schnitt sechs ganze Jahre. M\u00e4nner erhalten diesen entscheidenden Befund nach durchschnittlich neun Monaten. Woran das liegt? Unter anderem daran, dass Ruhe- und Belastungs-Elektrokardiogramm irref\u00fchrende Ergebnisse liefern. Die Aussagekraft ist eindeutig schlechter als bei M\u00e4nnern. Auch bei der Herzschw\u00e4che bereitet die korrekte Diagnose gr\u00f6\u00dfere Probleme. Sie wird bei Frauen h\u00e4ufiger nicht oder erst sehr sp\u00e4t erkannt: Apparative Untersuchungen wie <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/blick-ins-herz-echokardiographie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Echokardiographie<\/a> oder <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/vom-herzen-diktiert-ekg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EKG<\/a> werden bei ihnen seltener durchgef\u00fchrt. Fatal, denn je eher die Diagnose gestellt und die Behandlung gestartet wird, desto besser sind die Chancen f\u00fcr eine erfolgreiche Therapie.<\/p>\n<p>Die Ungleichstellung gipfelt in der Behandlung: Bei Frauen werden die M\u00f6glichkeiten der modernen Kardiologie nicht ausreichend genutzt. Frauenherzen werden schlichtweg weniger intensiv behandelt. Infolgedessen haben Frauen schlechtere \u00dcberlebenschancen als M\u00e4nner.<\/p>\n<h2>Ausschlusskriterium weiblich<\/h2>\n<p>Frauen sind auch deshalb so im Hintertreffen, weil sie in Studien zur Behandlung kaum ber\u00fccksichtigt werden \u2013 nicht nur bei Herz-Kreislauf-Krankheiten. Zu Forschungszwecken wurden und werden M\u00e4nner, m\u00f6glichst jung, bevorzugt. Einerlei, ob Volkskrankheiten studiert oder Tests zu neuen Medikamenten gemacht werden. Die bei M\u00e4nnern gewonnenen Studienergebnisse \u00fcbertr\u00e4gt man dann kurzerhand auf Frauen. Fatal, denn viele Organe des menschlichen K\u00f6rpers haben ein Geschlecht. Das hei\u00dft, Frauen regieren anderes als M\u00e4nner \u2013 auf Arzneimittel wie auf andere Behandlungen.<\/p>\n<p>Warum sind weibliche Versuchspersonen bis heute in der Minderzahl? Weil sie der Wissenschaft zu kompliziert und damit auch zu teuer sind. Schon allein, dass ihr Hormonspiegel allmonatlich schwankt und den Vergleich der Ergebnisse erschwert. F\u00fcr wirklich exakte Daten m\u00fcssten die Tests jeweils vor und nach der Periode sowie vor und nach den Wechseljahren stattfinden. Frauen bergen vor allem auch eine Gefahr: Sie k\u00f6nnten schwanger werden. Ein Sicherheitsrisiko, das bei Studien tunlichst vermieden werden soll.<\/p>\n<h2>Weitere Indizien<\/h2>\n<p>Frauen haben ein <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauenherzen-sind-anfaelliger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anderes Risikoprofil<\/a>. Die bekannten Gefahren f\u00fcr den Lebensmuskel sind f\u00fcr Evas und Adams nicht gleicherma\u00dfen sch\u00e4dlich. Frauenherzen reagieren auf viele Risikofaktoren wie beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Rauchen anders \u2013 n\u00e4mlich deutlich empfindlicher. Was offensichtlich nicht weiter k\u00fcmmert \u2026 Ebenso wenig, dass kranke Herzen bei Frauen andere Symptome zeigen als bei M\u00e4nnern. Das gilt nicht nur f\u00fcr das Schreckgespenst <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/ladykiller-der-eva-infarkt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infarkt<\/a>, sondern auch f\u00fcr Herzschw\u00e4che oder Herzrhythmusst\u00f6rungen. N\u00e4chstes Problem: Viele <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/herzmedikamente-bei-frauen-aufgepasst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medikamente \u2013 auch solche f\u00fcr das Herz \u2013 wirken bei Frauen anders <\/a>oder m\u00fcssen anders dosiert werden.<\/p>\n<p>Fazit: Unsere Medizin, besonders die Kardiologie, ist eher auf den Mann vorbereitet und ausgerichtet, und weniger auf die Frau. Steht zu hoffen, dass die vielen L\u00fccken in Forschung und Behandlung bald einmal geschlossen werden.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: right;\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/2f7175353bc942dfbfc46da0d4fefa5c\" width=\"1\" height=\"1\" \/>Foto: \u00a9 olly &#8211; <a href=\"http:\/\/www.fotolia.com\">www.fotolia.com<\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleichberechtigung \u2013 im Sinne von Gleichbehandlung \u2013 l\u00e4sst in der Kardiologie auf sich warten: Frauenherzen sind deutlich gef\u00e4hrdeter als M\u00e4nnerherzen. \u2026  <a class=\"continue-reading-link\" href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauenherzen-in-gefahr-risikofaktor-weiblich\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr; <\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":5261,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[6,13],"tags":[750,689,532,120,109,474,1757,458,423,53,107,1906,1017,90,198,989,56,1830,475,106,383,473,811,663],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v19.14 - 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