{"id":146,"date":"2024-12-08T06:00:17","date_gmt":"2024-12-08T05:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/?p=146"},"modified":"2024-12-05T17:39:35","modified_gmt":"2024-12-05T16:39:35","slug":"frauen-die-neue-risikogruppe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauen-die-neue-risikogruppe\/","title":{"rendered":"Frauen \u2013 die neue Risikogruppe"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herzerkrankungen <span lang=\"de-DE\">sind M\u00e4nnersache? Das ist ein \u00fcberholter Mythos: Die harten Fakten belegen, dass <\/span><\/strong><strong>Evas T\u00f6chter inzwischen die neue Risikogruppe sind.<\/strong><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2616 size-full\" src=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/01\/Fotolia_131966259_XSKopie.jpg\" alt=\"Bluthochdruck Eva-Infarkt Herzrisiko bei Frauen Herzinfarkt Herzschw\u00e4che Risikofaktor Schlaganfall\" width=\"424\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/01\/Fotolia_131966259_XSKopie.jpg 424w, https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/01\/Fotolia_131966259_XSKopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2017\/01\/Fotolia_131966259_XSKopie-150x100.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/p>\n<p>Bis vor einigen Jahren galten Herzerkrankungen, besonders der <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/herzinfarkte-fuer-frauen-gefaehrlicher\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzinfarkt<\/a>, noch als typisch m\u00e4nnlich: So sahen ihn 2005 bei einer Emnid-Umfrage 61 Prozent der Frauen als reine M\u00e4nnerkrankheit an. Vier von f\u00fcnf Frauen gingen davon aus, dass sie die gleichen oder sogar bessere Chancen haben, einen Infarkt zu \u00fcberstehen. Das ist ein weiterer Irrtum, denn tats\u00e4chlich sind die \u00dcberlebenschancen von Frauen deutlich geringer. Denn Fakt ist, dass mit M\u00e4nnern in puncto Herzerkrankungen anders umgegangen wird \u2013 n\u00e4mlich besser.<\/p>\n<p>So werden etwa bei Herzpatientinnen im Vergleich zu M\u00e4nnern nur halb so viele <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/im-inneren-des-herzens-herzkatheter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzkatheter-Untersuchungen<\/a> durchgef\u00fchrt und nur ein Viertel der <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/bypass-lebensbruecke-fuer-das-herz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bypass-Operationen<\/a>. Frauen werden auch medikament\u00f6s schlechter behandelt. Unter anderem zeigte eine gro\u00dfe US-Studie, dass sie weniger moderne Medikamente wie Thrombozytenhemmer oder Statine verordnet bekommen. Die medizinische Unterversorgung von Frauen muss nicht erstaunen. Denn diagnostiziert und behandelt wird nach bew\u00e4hrten Erkenntnissen: aus Studien an M\u00e4nnern.<\/p>\n<h2>Frauenherzen schlagen anders<\/h2>\n<p>Dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gro\u00df sind, zeigt sich auf allen Ebenen: Bei den Ursachen und Symptomen, an der Aussagekraft der Diagnostik wie an der Wirksamkeit der Behandlung. Gehen wir auf Spurensuche:<\/p>\n<ul>\n<li>Frauen haben ein anderes Risikoprofil. Die bekannten Gefahren f\u00fcr den Lebensmuskel sind f\u00fcr Evas und Adams nicht gleicherma\u00dfen sch\u00e4dlich. Weibliche Herzen reagieren auf viele Risikofaktoren wie beispielsweise <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/bluthochdruck-zeitbombe-fuer-die-gesundheit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bluthochdruck<\/a>, <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/diabetiker-haben-hoeheres-herzrisiko\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Diabetes<\/a> und Rauchen anders \u2013 n\u00e4mlich deutlich empfindlicher.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Kranke <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/frauenherzen-sind-anfaelliger\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frauenherzen<\/a> weisen andere Symptome auf als M\u00e4nner. Das gilt nicht nur f\u00fcr das Schreckgespenst Infarkt, sondern auch f\u00fcr vermeintlich &#8222;Harmloseres&#8220; wie eine Herzschw\u00e4che. Sie wird bei Frauen h\u00e4ufiger erst sehr sp\u00e4t erkannt: Apparative Untersuchungen wie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (<a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/blick-ins-herz-echokardiographie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Echokardiographie<\/a>) oder ein Elektrokardiogramm (EKG) werden bei ihnen seltener durchgef\u00fchrt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Die Aussagekraft eines Ruhe- und Belastungs-EKG ist schlechter als bei M\u00e4nnern. Was unter anderem daran liegt, dass die Belastungsdauer bei weiblichen Patientinnen zu kurz gehalten wird. Schlie\u00dflich sind viele zum Zeitpunkt der Erkrankung schon \u00e4lter und haben weitere Erkrankungen, die ihre k\u00f6rperliche <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/nachlassende-leistungsfaehigkeit-ab-zum-arzt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Leistungsf\u00e4higkeit<\/a> begrenzen.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Gro\u00dfe Risikogruppe<\/h3>\n<ul>\n<li>Invasive Diagnosemethoden wie eine Koronarangiographie, bei der die Herzkranzgef\u00e4\u00dfe mittels <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/kontrastmittel-risiko-herzuntersuchungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kontrastmittel<\/a> im R\u00f6ntgenbild sichtbar gemacht werden, sind bei Frauen effektiver als bei M\u00e4nnern. Dennoch werden diese Untersuchungen bei Frauen seltener durchgef\u00fchrt. F\u00fcr auff\u00e4llige Untersuchungsergebnisse, die eine weitere, invasive Abkl\u00e4rung erforderlich machen w\u00fcrden, werden zun\u00e4chst einmal gerne andere Ursachen angenommen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Dass es weibliche Herzmuskeln offensichtlich schwerer haben, zeigt sich auch daran, dass mehr Frauen an Herzschw\u00e4che erkranken als M\u00e4nner. Auch sind sie h\u00e4ufiger von <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/falsch-getaktet-herzrhythmusstoerungen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzrhythmusst\u00f6rungen <\/a>betroffen und erleiden infolge \u00f6fter einen <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/sorgen-risikofaktor-fuer-ploetzlichen-herztod\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">pl\u00f6tzlichen Herztod<\/a>. In den letzten Jahren ist dieses schreckliche Ereignis seltener geworden \u2013 bei Frauen ging die Zahl der F\u00e4lle allerdings nur um halb so viel zur\u00fcck wie bei M\u00e4nnern. Bei jungen Frauen ist sogar eine Zunahme zu verzeichnen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Immer mehr Frauen erleiden einen Schlaganfall. Besonders gef\u00e4hrdet sind \u00fcbergewichtige Frauen mit Bluthochdruck. Kommt die <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/dem-blutgerinnsel-auf-der-spur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anti-Baby-Pille<\/a> dazu, erh\u00f6ht sich Ihr <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/schlaganfallrisiko-senken-lebensstil-aendern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlaganfall-Risiko<\/a> glatt um das 7- bis 11-fache.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Einige <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/herzmedikamente-bei-frauen-aufgepasst\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzmedikamente wirken bei Frauen anders<\/a>. So bietet ihnen beispielsweise Acetylsalicyls\u00e4ure (ASS) einen geringeren Gef\u00e4\u00dfschutz: Die vorbeugende Wirkung gegen Herzinfarkt ist nicht so gut wie bei M\u00e4nnern. Als Grund wird vermutet, dass weibliche Blutpl\u00e4ttchen anders auf ASS reagieren.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Bypass-Operationen sind f\u00fcr Frauen gef\u00e4hrlicher: Ihre Chancen, diesen schweren Eingriff zu \u00fcberleben, sind kleiner als bei M\u00e4nnern. Ebenso treten h\u00e4ufiger Komplikationen auf wie Schlaganfall, Nieren- oder Herzinsuffizienz. Diskutiert wird unter anderem, ob die kleineren <a href=\"https:\/\/journalmedizin.de\/herz-kreislauf\/kaelte-kann-herzinfarkt-ausloesen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Herzkranzgef\u00e4\u00dfe<\/a> oder h\u00e4ufigere Begleitkrankheiten wie Diabetes diese Operation so gef\u00e4hrlich machen. Auch die Tatsache, dass Frauen meist in einem h\u00f6heren Alter einen Bypass bekommen, scheint eine Erkl\u00e4rung zu sein.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit: Gef\u00e4hrliche Trendwende<\/h2>\n<ul>\n<li>Frauen erleiden schwerere Infarkte und haben danach eine schlechtere Lebensqualit\u00e4t<\/li>\n<li>viele Risikofaktoren \u2013 besonders Bluthochdruck und Diabetes \u2013 wirken sich st\u00e4rker aus<\/li>\n<li>einige Diagnosemethoden sind nicht so aussagekr\u00e4ftig wie bei M\u00e4nnern<\/li>\n<li>Beschwerden werden eher bagatellisiert und Untersuchungen daher weniger konsequent angeboten<\/li>\n<li>lebensnotwendige Therapien setzen sp\u00e4ter ein<\/li>\n<li>immer mehr junge Frauen sind betroffen: bei den 35- bis 54j\u00e4hrigen stieg das Infarktrisiko um 55 Prozent<\/li>\n<\/ul>\n<h6 style=\"text-align: right;\">Foto: \u00a9 Ekaterina Pokrovsky \/ <a href=\"http:\/\/www.fotolia.com\">www.fotolia.com<\/a><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herzerkrankungen sind M\u00e4nnersache? 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