Intervallfasten so gut wie andere Diäten

Intervallfasten hilft beim Abnehmen. Stimmt, aber nicht besser als herkömmliche Diäten. Zu diesem Ergebnis kommt die bislang größte Studie dazu.

Stunden statt Kalorien zählen? So wirksam wie andere Diäten.

Acht Stunden schlemmen und dafür die folgenden 16 Stunden verzichten? Oder lieber gleich zwei ganze Tage fasten und dafür den Rest der Woche ohne Reue genießen? Prinzipien des Intervallfastens, das im wahrsten Sinn des Wortes in aller Munde ist. Zahllose populäre Ratgeber zum Thema versprechen Gewichtsabnahme ohne Jojo-Effekt sowie eine nachhaltige Veränderung des Stoffwechsels und damit eine Verbesserung der Gesundheit. Experten in Sachen Ernährung haben da jedoch so ihre Zweifel. So bemängelt etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), das Intervallfasten nicht zur dauerhaften Gewichtsregulation geeignet ist. Außerdem fehlt es an wissenschaftlich fundierten Untersuchungen zu den Langzeitfolgen dieser Diät.

Diäten auf dem Prüfstand

Diese Fakten hat Wissenschaftler des Uniklinikums und der Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg neugierig gemacht. Sie wollten wissen, wie Effekte der Diäten in einer größeren Patientengruppe und über einen längeren Zeitraum sind. Dazu führten sie die HELENA-Studie* durch. Darin wurden über einen Zeitraum von einem Jahr 150 übergewichtige und fettleibige Probanden unter die Lupe genommen. Sie wurden bei Studienbeginn nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt. Ein Drittel ernährte sich 12 Wochen lang nach einer herkömmlichen Reduktionsdiät, bei der die tägliche Kalorienaufnahme um 20 Prozent gesenkt wird. Eine zweite Gruppe verschrieb sich Intervallfasten, mit dem sie über die gesamte Woche gesehen ebenfalls 20 Prozent der Nahrungskalorien einsparten. Die Kontrollgruppe verfolgte keinen konkreten Diätplan, wurde jedoch, wie alle übrigen Teilnehmer, dazu motiviert sich an eine ausgewogene Ernährung zu halten. Im Anschluss an die eigentliche Diätphase dokumentierten die Wissenschaftler für insgesamt 38 weitere Wochen Gewicht und Gesundheitszustand der Studienteilnehmer.

Keine Unterschiede

Das Ergebnis mag für Anhänger des Intervallfastens ebenso überraschend wie ernüchternd sein. Denn wie die HELENA-Forscher herausfanden, verbesserte sich der Gesundheitszustand durch beide Diätformen gleichermaßen. Bei den Probanden beider Gruppen verringerte sich mit dem Körpergewicht das viszerale Fett, also das ungesunde Bauchfett, ebenso die Fettablagerungen in der Leber. Auch bei sämtlichen anderen Stoffwechselwerten und Biomarkern machten die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen den Diäten aus.

Die euphorischen Erwartungen an das Intervallfasten haben sich also nicht bewahrheitet. Aber die Studie zeigt, dass diese Methode nicht schlechter ist als herkömmliche Diäten. Zudem scheint es, dass es einigen Menschen leichter fällt, an zwei Tagen sehr diszipliniert zu sein, statt jeden Tag Kalorien zu zählen und sich einzuschränken.

*Kühn T. et al. Effects of intermittent and continuous calorie restriction on body weight and metabolism over one year: a randomized controlled trial. The American Journal of Clinical Nutrition 2018, DOI: 10.1093/ajcn/nqy196
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