Kegelschnecken zur Schmerzlinderung

Kegelschnecken produzieren zum Beutefang und zur Abwehr von ihren Feinden ein Nervengift. Es enthält Substanzen, die chronische Schmerzen wirksam lindern.

Das Gift der Kegelschnecken kann Schmerzen lindern.

Kegelschnecken sind fleischfressende Meeresbewohner der Gattung Conus. Sie sind bekannt für ihren sehr wirksamen Vergiftungsmechanismus, der den relativ langsamen Tieren hilft, ihre Beute wie Fische oder Muscheln zu fangen und sich zu verteidigen. Dazu setzen die Schnecken ein Nervengift ein, das durch eine Art Harpune in das Opfer gelangt. Das Gift der Meerestiere enthält mehrere Hunderte bioaktive Eiweißstoffe, die sogenannten Conotoxine. Diese wirken auch auf das menschliche Nervensystem. Dies ist für die Forschung von höchstem Interesse, da die Schneckengifte so die Schmerzreizleitung beeinflussen können. „In der Schmerzforschung interessiert uns vor allem das Verteidigungsgift der Kegelschnecken, da es auf das Verursachen von Schmerz ausgerichtet ist“, so Prof. Dr. Markus Muttenthaler vom Institut für Biologische Chemie der Universität Wien. Mit ihrer außerordentlichen Wirkung und Selektivität haben Conotoxine die Schmerzforschung bereits revolutioniert und das Verständnis über die Schmerzreizleitung grundlegend verbessert.

Kegelschnecken im Einsatz gegen Schmerzen

Es gibt bereits ein Präparat mit Conotoxin (Prialt®), welches zur chronischen Schmerzlinderung eingesetzt wird. Es wird in das Rückenmark injiziert und blockiert bereits dort sehr gezielt die Schmerzreizleitung. Das ist laut Prof. Muttenthaler „1.000-mal potenter als Morphium und dazu ohne Abhängigkeitserscheinungen“. Die nächste Generation dieser Wirkstoffe, so das Ziel der Forschung, setzt nicht mehr am Rückenmark, sondern bereits bei den ihm vorgelagerten Spinalganglien an: „Damit könnten wir die Schmerzen schon abfangen, bevor sie ins Rückenmark weitergeleitet werden.“

Conotoxins: Chemistry and Biology: Paul F. Alewood et al. Chemical Reviews, Publication Date: 21 Oct. 2019, DOI:10.1021/acs.chemrev.9b00207.
https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.chemrev.9b00207
On-resin strategy to label α-conotoxins: Cy5-RgIA, a potent α9α10 nicotinic acetylcholine receptor imaging probe: Markus Muttenthaler et al. Australian Journal of Chemistry. https://www.publish.csiro.au/CH/justaccepted/CH19456
https://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/acs.chemrev.9b00207
https://www.publish.csiro.au/CH/justaccepted/CH19456

Noch ein Hinweis: Das Foto oben zeigt eine andere Schneckenart. Eine echte Kegelschnecke wollte leider nicht vor die Kamera …

Foto: © uschi dreiucker / pixelio.de
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