Magenschleim schützt die Augen

Moleküle im Magenschleim, die Mucine, bilden einen natürlichen Schmierstoff. Beschichtet man Kontaktlinsen damit, lassen sich Schäden an der Hornhaut verhindern.

Auge einer Frau: Moleküle im Magenschleim, die Mucine, können Schäden an der Hornhaut verhindern.Stundenlanges Arbeiten am Computer, trockene Raumluft, Klimaanlagen – alles Dinge, die trockene Augen begünstigen. Kein Wunder, dass diese immer häufiger werden. Wer davon betroffen ist, dem mangelt es meist an Schmierstoffen in der Tränenflüssigkeit. Dabei handelt es sich um die sogenannten Mucine. Sie sind in der Lage, Wasser zu binden und so einen Schutzfilm auf den Augen zu bilden.

Risiko für die Hornhaut

Trockene Augen sind nicht nur schmerzhaft, sondern können auf Dauer auch das Augengewebe schädigen. Besonders gefährdet sind Träger von Kontaktlinsen. Bei ihnen ist ein Mangel an Schmierstoffen in der Tränenflüssigkeit noch problematischer: Denn ohne den schützenden Gleitfilm zwischen Auge und Linse wird das Gewebe der Hornhaut verletzt.

Nun sind jene Moleküle, die den Schutzschild der Augen produzieren, nicht nur in unseren Tränen enthalten. Sie kommen auch in der Schleimschicht vor, welche die inneren Wände des Magens auskleidet. Das brachte Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) auf eine Idee: Mucine aus dem Magenschleim zu isolieren und direkt auf Kontaktlinsen aufzubringen*.

Beschichtung mit Magenschleim wirkt

Für ihre Versuche benötigten die Münchener Forscher größere Mengen Mucine. Menschliche Tränen fielen damit als mögliche Quelle aus. Da die molekularen Schmierstoffe auch in der Magenschleimhaut zu finden sind, hatte man eine gute Ausweichmöglichkeit. Die Wissenschaftler bedienten sich an der Schleimhaut aus den Mägen von Schweinen. Alle Gewebe dieser Nutztiere sind nämlich jenen von uns Menschen am meisten ähnlich. Der Grund, weshalb beispielsweise Hormone wie das Insulin und andere natürliche Stoffe aus Schweinen in Arzneimittel für uns wandern. Die Tiere müssen dafür glücklicherweise nicht ihr Leben geben, denn die Entnahme der Gewebe erfolgt mit Hilfe eines Endoskops.

Wie sich zeigte, machen die Schweinemucine ihren Job bestens: Kontaktlinsen, die damit beschichtet wurden, verursachten mikroskopisch nachgewiesen keinerlei Schäden mehr an der Hornhaut. Weiterer und großer Vorteil der Mucine ist, dass sie direkt an der Kontaktlinse haften und die Augen somit dauerhaft schützen. Hyaluronsäure hingegen, die derzeit primär gegen trockene Augen angewendet wird, muss über den Tag verteilt mehrfach angewendet werden. Mit Mucinen lässt sich auf dieses Nachtropfen verzichten.

*Winkeljann B. et al. Mucin coatings prevent tissue damage at the cornea-contact lens-interface, Advanced Materials Interfaces, Juli 2017, DOI: 10.1002/admi.201700186

Foto: © Martin Lehotkay – Fotolia

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