Kindlicher Bluthochdruck: wachsendes Problem

Bluthochdruck bei 6-jährigen? Heute keine Seltenheit mehr. Denn mit Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen auch schon bei Kindern erhöhte Blutdruckwerte zu.

Kinder beim Laufen: Übergewicht und damit auch kindlicher Bluthochdruck nehmen zuUnser Nachwuchs bringt zu viel Gewicht auf die Waage – eine Tendenz, die in allen Industrieländern zu verzeichnen ist. Eine schwerwiegende Auswirkung davon ist kindlicher Bluthochdruck. Er betrifft inzwischen zunehmend mehr junge Patienten.

Moderne Erscheinung

Erhöhte Blutdruckwerte waren früher laut Prof. Dr.  Elke Wühl, Oberärztin am Zentrum für Kinder und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg, bei jungen Menschen seltener: „Davon betroffen waren in der Regel nur Kinder mit angeborenen Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße oder der Nieren“. Seit einigen Jahren steigt jedoch die Zahl, bei denen der Blutdruck ohne zugrundeliegende Erkrankung erhöht ist. Die Ursache ist dann meist ein zu hohes Körpergewicht: „Jedes vierte Kind mit Fettleibigkeit leidet unter Bluthochdruck“, so Prof. Wühl. Bei Übergewichtigen liegt der Anteil noch bei etwa sieben Prozent.

Neue Empfehlungen ab dem 3. Lebensjahr

Eine wichtige Konsequenz aus den steigenden Patientenzahlen: Wie kindlicher Bluthochdruck erkannt und behandelt werden soll, wurde nun von Experten überarbeitet. Die geänderten Behandlungsleitlinien der Europäischen Gesellschaft für Bluthochdruck* empfehlen, den Blutdruck nunmehr bei allen Kindern und Jugendlichen zu kontrollieren Dies soll nach den Worten von Prof. Wühl ab dem 3. Lebensjahr bei jeder ärztlichen Vorstellung erfolgen: „Bei jüngeren ist eine Blutdruckmessung in der Regel nur bei Risikofaktoren, wie etwa Frühgeburt, angeborene Herzkrankheiten oder Nierenerkrankungen notwendig“.

Schwierige Diagnose

Einen Bluthochdruck bei Kindern und Jugendlichen zu erkennen, ist jedoch nicht einfach. Der Kinderarzt benötigt dazu spezielle Blutdruckmanschetten, deren Breite und Länge dem Oberarm der jungen Patienten angepasst sein muss. Zudem ist der Blutdruck bis zum 16. Lebensjahr in der Regel niedriger als bei Erwachsenen. Ein Wert von 120 zu 80 mm Hg, für Erwachsene optimal, „ist bei einem 12-jährigen gerade noch normal, bei einem 6-jährigen zu hoch, bei einem 3-jährigen ein schwerer Hochdruck und bei einem Neugeborenen ein Notfall“, so Prof. Wühl. Die Leitlinie gibt deshalb Blutdruckgrenzen für die verschiedenen Lebensalter an.

Risikofaktor kindlicher Bluthochdruck

Wird der zu hohe Blutdruck nicht kontrolliert, drohen bereits im Jugendalter erste Folgeschäden. Dazu gehören Verdickungen des Herzmuskels und der Blutgefäße, die Vorboten für eine Gefäßverkalkung sein können. Dass sich ein Bluthochdruck mit der Zeit auswächst, ist selten. Meist setzt er sich ins Erwachsenenalter fort. Kindlicher Bluthochdruck muss also unbedingt behandelt werden, um dessen langfristige Risiken zu minimieren. Die Behandlung erfolgt laut Prof. Wühl zunächst durch eine Änderung des Lebensstils. Das Ziel ist eine Gewichtsabnahme um ein bis zwei Kilo im Monat. Dies bedeutet mehr Sport, mindestens 60 Minuten am Tag, und eine gesunde Ernährung. „Wenn die Kinder abnehmen und Sport treiben, normalisiert sich in der Regel auch der Blutdruck“. Gelingt dies nicht, sollten Blutdrucksenker eingenommen werden. „Sie sind gut verträglich und bei Kindern und Jugendlichen ebenso effektiv wie bei Erwachsenen“, so Prof. Wühl.

*European Society of Hypertension guidelines for the management of high blood pressure in children and adolescents. Journal of Hypertension 2016; 34: 1887-920
Foto: © Kara / fotolia.com
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